Facetten der Digitalisierung – Apple

Apple hat immer versucht, die eigenen Services und Hardware Produkte so miteinander zu verbinden, dass ein wirklich guter Kundennutzen nur in der Kombination der Apple Angebote zustande kam und andere Angebote schelchter funktionierten – wenn überhaupt (sogenannte „Lock-in“ Strategie). Die Basis der Gesamtangebote waren typischerweise die Hardware Produkte, die dann für den Zugang zu Software oder Cloud Services genutzt wurden (Mac zu MacOS, iPOD zu iTunes,…).

In den letzten Wochen wurde deutlich, dass die iPhone Absätze zurückgehen, insbesondere in China.

Und nun hat man sich sogar entschlossen, das Apple TV Angebot auf Samsung Fernsehern anzubieten (nativ, das heisst also ohne eine eigene Apple Box dazwischenzuschalten). Als Grund wird vermutet, dass der Apple TV Dienst nicht genügend Abonnenten hat und dass offensichtlich für Apple die Steigerung der Nutzerzahlen beim Apple TV Dienst wichtiger ist, als das so lange praktizierte Lock-in.

Das Alles wird derzeit für den Standard Kunden von Amazon Prime oder Netflix ohne große Bedeutung sein, aber es zeigt, dass Digitalisierung auch bei Firmen wie Apple Strategiewechsel erforderlich macht und der zukünftige TV Dienst wichtiger werden kann als das lange fokussierte Hardware-Geschäft.

Facetten der Digitalisierung – Thermomix

Der Thermomix macht in meinen Augen deutlich, welche verschiedenen Facetten der Digitalisierung wir in der für uns in Deutschland relevanten Wirtschaft zu betrachten haben.

So ist das Kernprodukt schon digitalisiert in dem Sinne, dass es eine (weitestgehende) Programmierung (oder programmgestützte Anleitung) des Kochvorgangs erlaubt und so schonmal viele Fehler ausschließen hilft, die beim Kochen gemacht werden können.

Es gibt schon diverse Plattformen, beispielsweise SocialMedia Kanäle von Privatleuten, die Tips und Rezepte für den Thermomix zur Verfügung stellen. Diese Community muß gepflegt werden und kann als „Digitale Fortsetzung“ der privaten Verkaufsevents gedacht werden.

Einzelhändler und solche, die an Privatleute liefern, könnten Zutaten für spezielle Thermomix Rezepte als Pakete anbieten. Die Vermarktung kann natürlich zunehmend digital erfolgen.

Der eigentliche Verkauf des Thermomix Geräts dürfte dann zukünftig i.W. über das Internet erfolgen. Hier kann mit Gutscheinen für Zubehör oder o.g. Rezeptpakete gearbeitet werden, um bestimmte Verkaufskanäle zu unterstützen.

Und Vorwerk erhält an allen diesen Fronten Wettbewerb von unterschiedlichen Seiten.

PS: Apple arbeitet beim iPhone ja mit einem ähnlichen Konzept (Kern ist das Hardware Produkt und die Services / Plattform außen herum macht den Gesamtwert aus). Der zuletzt gemeldete Einbruch der Verkaufszahlen wurde mit geringeren Geräteverkäufen in China begründet, wo die Wirtschaft ja digital mächtig zulegt…

Bildverstehen

Nachdem man bei den gängigen Suchmaschinen schon länger Sprachverstehen implementiert hat, geht der Trend nun auch zur Bilderkennung. Die üblichen Anbieter haben eine App im Angebot, um Bilder in ihre Suchmaschine einzugeben. Die Textkonvertierung ist da schonmal ganz hilfreich (vielleicht werden dann die Barcodes/QR-Codes überflüssig?).

Wenn man sich das einmal anschauen will, dann sollte man die Vorgehensweise der Agilen Entwicklung im Hinterkopf behalten, insbesondere den Begriff des Minumum Viable Products (das funktionierende Produkt mit einer minimalen Funktionalität…).

Das ist wohl derzeit der Stand der Entwicklung, aber das wird sich entwickeln.

Training für die Künstliche Intelligenz…

zeigt gewisse parallelen zur Kindererziehung.

Bei Schätzings Tyrannei des Schmetterlings wird ganz gut beschrieben, wie der Prozess aussehen sollte (inkusive Teddybär) , und auch in Dan Browns Origin gibt es ein paar Hinweise darauf.

Auch in der realen Forschungswelt sehen wir nun diese Vorgehensweise.

So hat das autodidaktische Brettspielprogramm AlphaZero von DeepMind „sich selbst das Schachspielen beigebracht“ und war innerhalb von neun Stunden in der Lage, lediglich aus den Basisregeln und mithilfe von Millionen Trainingspartien (gegen sich selbst) eines der führenden freien Programme (namen „Stockfish 8“) zu schlagen. Bemerkenswert ist noch, dass Stockfish mit einer 1000-fach höheren Rechenleistung in der Partie gearbeitet hat als Alpha Zero. Desweiteren ist AlphaZero generisch für Brettspiele ausgelegt und kann das Muster nutzen, um auch andere Brettspiele zu erlernen, was bei konventionellen Schachprogrammen nicht der Fall ist.

Somit ein Schritt in Richtung einer generischen Intelligenz, wie man sie Kindern gerne beibringen möchte.

Undumm – anstelle von intelligent

Die Sprachbedienung der Navigation im Auto ist ein deutlicher Vorteil gegenüber dem mühsamen Eintippen der Zieldaten. Aber wenn ein Sprachbefehl erst nach diversen Wiederholungen verstanden wird, und das Ganze beim nächsten Mal weider so abläuft, fragt man sich schon, wo denn jetzt die Intelligenz im System steckt…

Ja, das Sprachverstehen ist – rein wissenschaftlich – eine große Herausforderung; aber die Systeme müssen sich im Alltag beweisen. Und hier steckt noch viel Entwicklungspotenzial.

So hat eine Frau beispielsweise in einem ganz normalen Restaurant über 5000 Dollar Trinkgeld gegeben, weil sie versehentlich Ihre PIN (5650) anstelle des Trinkgeldbetrages eingetippt hat. Das sind Fehler die sich erfassen und behandeln lassen, und dies würde der Akzeptanz neuer Technologie wesentlich dienlicher sein, als die neueste Technologie; die ja nicht umsonst auch „bleeding edge“ (anstelle „leading edge“) genannt wird.

China update

In Ergänzung zum Post zu den „Sozialen Netzen“ in China:

In einigen Schulen werden die Schüler nun mithilfe von Jacken-Chips (sogenannte wearables) überwacht. Neben der Bezahlfunktion in der Mensa können damit auch Anwesenheit und Aufmerksamkeit geprüft werden, da das System die Bewegungs- und Biodaten erfasst. So wird bspw. ein Alarm ausgelöst, wenn der Schüler einschläft.

Das Ganze nennt sich dann Smart Campus mithilfe von intelligenten Uniformen .

PS: Die Jacken halten Temeraturen bis 150 Grad stand und sollen 500 Waschgänge überstehen.

 

Open Source Orgelbau

Im Programm des Chaos Communication Congress (also des Hackertreffens des Chaos Computer Clubs mit 16.000 Teilnehmern derzeit in Leipzig) war ein Vortrag zu genau diesem Thema.

Leider konnte ich den Vortrag nicht hören, aber die Ankündigung ist vielversprechend, nämlich die Anwendung von 3D Druckern beim Orgelbau und die Veränderung der Weitergabe des Wissens bei einem traditionellen Beruf (geheim-by-accident) in Form eines OpenSource Ansatzes.

(Es sind auch links angegeben, um Dateien herunterzuladen, mit denen sich Orgelteile und -pfeiffen in 3D drucken lassen…)

Aus einem völlig anderen Kontext (ekitchen newsletter) erreichte mich letzte Woche die Meldung, das der Thermomix vom Aussterben bedroht ist! Nach Analyse des Artikels sind traditionelle Arbeitsplätze bedroht und Discounter können mittlerweile preiswerter vergleichbare Technik anbieten. Man will wohl die Technik verbessern um nicht konkurrenzfähige Funktionen zu erzeugen. Ich bin gespannt, ob das gelingt. Es wird schwierig werden, mit reiner Technologie Funktionen zu erzeugen, die nicht einfach kopiert werden können. Es wird vermutlich wichtiger sein, eine Plattform oder ein Ecosystem zu erzeugen (durchaus mit technischen Hilfsmitteln), in das sich gerade nicht einfache Technologiekopien einklinken können.

5 Jahre Garantie auf Orangensaft

Beim 35. Chaos Communication Congress (35C3) in Leipzig wurde gezeigt, wie die sichersten Biometrieverfahren (Venenscanner oder Palm-Vein-Scanner) gehackt wurden.

Es darf nicht verwundern, dass neue Sicherungsmassnahmen immer wieder überwunden werden; Fortschritt findet in allen Bereichen statt.

So weiß man bereits jetzt, dass viele (asymmetrische) Verschlüsselungen in dem Moment, in dem Quantencomputer verfügbar sind, mit geringen Zeitaufwand überwunden werden können und man entwickelt bereits an neuen Lösungen. Diese heißen dann „quantensicher“…

Problemtisch ist es, wenn wir erwarten, dass es 100% Sicherheit auf Dauer gibt. Dieser Erwartung kann nicht entsprochen werden und man muß sich ihr bewusst werden.

Ich hatte ein Erlebnis bei einer Türkeireise: Als wir mit dem Bus einen Stop machten (an einem der Plätze, wo alle Busse stoppen), da boten die Händler vor Ort frisch gepressten Orangensaft an. Sobald sie bemerkten, dass der Bus aus lauter Deutschen bestand, wechselten sie ihre Verkaufskommunikation sofort von „healthy fresh orange juice!“ zu „5 Jahre Garantie!“. Hier wurde ich mir einer typisch deutschen Erwatungshaltung bewusst.

 

Zu schlechter Letzt

Das MIT Review stellt jährlich die (ihrer Meinung nach) größten Technologiefehler des Jahres vor.

Auf die vier ersten Plätze haben es dieses Jahr geschafft:

  • Der Chinese, der ein Zwillingspärchen mit manipulierte Genen geschaffen hatte
  • Facebook mit der (Plattform-)Unterstützung der ethischen Säuberungen in Myanmar
  • Google mit den zensierten Suchalgorithmen für das chinesische Angebot
  • Das Startup, das das Hochladen des Gehirninhalts anbietet (was allerdings zwingend zum Gehirntod führt)

Details auf der Website (in englisch, aber der Übersetzer ist ja im Browser…)

Das MIT (Massachusetts Institute for Technology) ist eine renomierte Forschungseinrichtung und setzt sich richtigerweise mit den Folgen der eigenen Arbeiten auseinander. Es geht darum, nicht alles pauschal zu verteufeln, sondern auf dem Weg nach vorne zu reflektieren. So wird auch zugegeben, dass mit dem Startup (4. Spiegelstrich) eine Forschungskooperation bestand, die gekündigt wurde.

Gefahr für Demokratie? II

Es ist wie so oft, es ändern sich die Werkzeuge, nicht das System.

Aber es sind mächtige Werkzeuge, die sich hier ändern, die haben die Wirtschaft schon sehr stark verändert. In seinem Buch „The Long Tail“ beschreibt Chris Anderson, wie bspw. dank Onlinehandel in der Buchindustrie die Werke mit geringer Auflage dennoch von nahezu jedem gefunden und bestellt werden können. Dies war im klassischen Buchhandel aufgrund begrenzter Regal(kilo)meter nicht möglich.

Das Ergebnis ist  mehr Auswahl für den Konsumenten und eine Herausforderung für den klasssichen Buchhändler vor Ort durch den automatisierten Onlinehandel.

Ein wichtiges Element der Demokratie ist der aufgeklärte Bürger. Hier ist eine Herausforderung zu sehen, dass nämlich „Fake News“ und „Alternativen Fakten“ beim Bürger zu Desinformation  und eben nicht zu Aufklärung führen.

Auch hier muß (auf einer übergeordneten Ebene) aufgeklärt werden. Es muß bei der Erziehung zur Mündigkeit des Bürgers eben auch die Bewertung der Nachrichten (und ihrer Quellen) gelernt werden.

Praktisches Beispiel: Zu diesem Blog gibt es bislang keine echten Kommentare, vermutlich weil ich am Anfang ein wenig über Trolle geschrieben habe. Es gibt aber eine Reihe Kommentare die m.E. automatisch generiert worden sind und alle möglichen Zielsetzungen haben (Angebote zu Rechtschreibhilfe, Freundschaftsanfrage, Kooperationen zu Blogs und Schriftstellerei,…). Bezeichnenderweise sind alle diese Kommentare in englischer Sprache und mein Provider hat sie freundlicherweise gleich unter „Spam“ abgelegt. Hier geht also das System schon davon aus, dass es nicht bestimmungsgemäss genutzt wird und hat Gegenmassnahmen implementiert. Das ist nichts neues. Unsere Verfassung hat bspw. eine  5% Klausel für Parteien im Parlament um der Zersplitterung entgegenzuwirken; eine Erfahrung aus dem Ende der Weimarer Republik.

PS: Kommentare sind definitiv erwünscht, habt keine Hemmung!!