… und ganz schwer nachvollziehbare Algorithmen

Es gibt – wie kürzlich beschrieben – Algorithmen, die schwerer nachvollziehbar sind als andere. Eine Art Königsdisziplin in dieser Hinsicht stellen evolutionäre Algorithmen dar. Bei diesen wird nicht beschrieben, wie genau ein (Teil-) Problem gelöst wird, sondern es wird nur definiert, wie vorhandene Problemlösungsalgorithmen kombiniert und modfiziert werden (änlich wie bei der biologischen Fortpflanzung ja auch die Erbmasse kombiniert und modifiziert wird). Das Ergebnis ist dann eine Überraschiung, dahingehend, das auch die Ersteller nicht vorhersagen können, zu welchen Ergebnissen die Algorithmen im Zuge der verschiedenen Generationen kommen.

Das hört sich erstmal komplex an, ist aber ganz gut beschrieben in einem Roman von William Hertling: SINGULARITY (2): A.I. APOCALYPSE.

 

Leicht und schwer nachvollziehbare Algorithmen

Algorithmen sind die gedankliche Basis der Datenverarbeitung. Ein Computerprogramm – egal wie kompliziert es ist – arbeitet eine zuvor festgelegte Berechnungsvorschrift (einen Algorithmus) ab. Diese Algorithmen können Parameter aus der Umgebung berücksichtigen (bspw. nutzt die Glatteiswarnung am Bordcomputer des Autos die Umgebungstemepratur als Parameter). Um gerade bei Computerspielen echte Zufälligkeit zu nutzen, können Computer auch auf Zufallsgeneratoren zurückgreifen. Aber allen diesen Programmen liegen Algorithmen zugrunde, und diese bestimmen die Logik.

Und diese Logik ist mal leicht nachzuvollziehen und manchmal schwer.

So erscheint die o.g. Glatteiswarnung im Auto eigentlich immer dann, wenn die Umgebungstemperatur einen gewissen Wert untersteigt. Also ein recht einfacher Algorithmus.

Schwieriger ist schon die Berechnung der verbleibenden Reichweite eines Autos. Diese wird mithilfe des Tankinhalts und des durchschnittlichen Benzinverbrauch der letzten Strecken ermittelt. Dies kann dazu führen, dass man, bei zunächst hohem Verbrauch (bspw. durch hohe Geschwindigkeit) und danach sehr niedrigen Verbrauch (bei idealer Geschwindigkeit) die etwas widersprüchliche Situation erleben kann, dass die verbleibende Reichweite des Fahrzeugs zeitweise steigt, obwohl gefahren (und somit Treibstoff verbraucht) wird.

Dieser Algorithmus ist also schwierig zu erklären, aber immer noch verständlich.

Und die Algorithmen des maschinellen Lernens schließlich nutzen eine mathematische Modellierung, die gar keine korrespondierende Erklärung mehr in der uns bekannten Welt haben.

Sie haben Millionen Parameter, die einfach so berechnet werden, dass die Lerneingangsmuster (bspw. Bilder) bei entsprechender Verarbeitung mit diesen Parametern möglichst häufig zu den vorgegebenen Ergebnissen (abgebildete Gegenstände) führen.

Wenn diese Algorithmen dann mit den o.g. Parametersätzen auf neue (ungelernte) Eingangsmuster (also unbekannte Bilder) wirken, ist der so ermittelte Ausgabewert eine Näherung für die tatsächliche Interpretation des Bildes. Für diese Interpretation gibt es aber keine Garantie. Die Ergebnisse sind in vielen Anwendungsfälln einfach nur gut genug, um weiterzuhelfen.

Und nach der Zielfunktion?

Nun, wenn die Zielfunktion definiert ist, kann das System ja lernen und dann wird es angewandt. Bei Poker und bei Schach und Go zeigen sich dann gute Ergebnisse, das System ist besser als die menschlichen Spieler.

Aber nach welchen Strategien und welchen Taktiken spielt das System und was können wir machen, um genauso gut zu spielen?

Jetzt kommt ein ganz großes und schwieriges Feld: Erklärung von KI.

Derzeit ist das, was man gemeinhin KI nennt, nur ein System, das gut darin ist, die Verknüpfung von Eingangs- mit Ausgangssignalen herzustellen. Die Systeme sind aber so angelegt, dass sie nicht nur gelernte Eingangsignale verarbeiten, sondern auch andere Eingangssignale zulassen. Und der Erfolg der Systeme zeigt sich dann darin, dass sie bei ungelernten Eingangssignalen gute Ergebnisse erzielen.

Das Problem ist nun aber, dass die Signale auf eine mathematische Art und Weise verknüpft werden, die sich nicht in logische formale Schritte zurückverfolgen lässt, sondern zunächst quasi eine Blackbox ist. Man legt Eingangssignale an (eine Position eines Brettspiels) und das System schlägt einen nächsten Zug vor. Man weiß aber nur, dass das System in „ähnlichen“ Situationen mit diesem Zug Erfolg hatte.

Die meisten der heute existierenden Systeme sind so aufgebaut, dass sie solche Parallelschlüsse ziehen, ohne das sie eine genauere Erklärung dazu abgeben können.

Das macht auch die „Magie“ der Technik aus (berechtigter Weise). Das Problem der mangelnden Erklärbarkeit ist sinnvoller Weise auch ein Hinderungsgrund für die Verbreitung der Technik. So hat Google sich selbst ein langsameres Tempo verordnet um die Erklärbarbeit sicherzustellen (Link).

Die Zielfunktion (keine Büroklammern mehr)

Nachdem die Zielfunktion so wesentlich ist für ein selbstlernendes System wollen wir diese genauer anschauen.

Die typischen heute verfügbaren Systeme machen dass dann beispielsweise mithilfe der Spielregeln für Schach oder Go. Ganz stark vereinfacht: Das System bekommt als Maßstab definiert, schließlich den gegnerischen König zu schlagen. Dann spielt es Millionen Partien gegen sich selbst. Die ersten Partien sind grottenschlecht, aber das System lernt von „Null“ an und bildet anhand dieses Lernprozesses seinen eigenen Stil.

Während früher Spielprogramme für ein bestimmtes Spiel (Schach, Poker, Go…) konzipiert wurden, wurde das System AlphaZero für beliebige Brettspiele konzipiert. Das konkrete Spiel mit sinen Spielregeln und Siegbedingungen wird ihm dann eingegeben und in Übungspartien wird dann die Spielstrategie ermittelt. Auf diese Art konnte AlphaZero die besten verfügbaren Schach und Go Programme mit einigen Stunden Lernzeit besiegen.

Hier zeigt sich, der Ansatz zur Verallgemeinerung vom System für ein spezielles Spiel hin zu einem generischen System für Brettspiele.

Magische Technologien

Ok, der Begriff ist geborgt von Seth Godin.

In seinem Blog beschreibt er, dass Flugzeuge statistisch wesentlich sicherer sind als Autos, aber Flugangst, Sicherheitsbelehrungen usw. nur für das Flugzeug gemacht werden; beim Auto gibt es das alles nicht. Ich denke, es ist nicht ganz so einfach, da die Sicherheit der Flugzeuge natürlich auch dadurch bedingt sind, dass so viel Aufwand betrieben wird. Dann kommen noch die schlimmen Möglichkeiten, die uns am 11.September aufgezeigt wurden…

Trotzdem wird bei einigen Dingen irrational diskutiert. Es ist halt Magie.

Zunächst gefiel mir sein Bild für selbstfahrende Autos: Es sind halt keine Autos ohne Fahrer, es sind Flugzeuge mit Rädern, weil halt auch hier magisch diskutiert werden muß…

Aber dann sind da ja auch noch andere magische Themen, die irrational diskutiert werden: Waffengesetze in USA oder Tempolimit in Deutschland…

Die Gefahr durch Büroklammern

Zentral für ein selbstlernendes System ist die Definition der Zielsetzung. Dieses wird üblicherweise durch einen Maßstab (mathematisch / technisch: eine „Zielfunktion“) erreicht.

Die selbstlernenden Systeme werden so programmiert, dass sie vornehmlich gelernte, offensichtlich gut passende Aktionen auf eine gegebene Situation anwenden und dann schauen, ob sich, gemessen in dem vorgegebenen Maßstab, die Situation verbessert hat. Wenn ja, wird diese Aktion in Zukunft häufiger bei ähnlichen Situationen gewählt. Wenn nein, dann nicht so häufig. Damit das System auch nicht immer das gleiche tut, werden zufällig andere Aktionen eingestreut und diese werden dann ins Repertoire und in die Bewertung aufgenommen.

Eine Zielfunktion ist also zentral für ein selbstlernendes System und bestimmt ganz wesentlich seine zukünftige Entwicklung. In der (fiktionalen) Literatur findet man bei Schätzing („Die Tyrannei des Schmetterlings“) und bei Olsberg („Mirror“) die Zielfunktion als wesentlichen Aspekt.

Der KI- und Zukunftsforscher Nick Bostrom hat die Bedeutung der Zielfunktion einmal so beschrieben: Wenn man einer (selbstlernenden) KI die Aufgabe stellt, die Büroklammer zu optimieren, würde sie (ohne andere Zielfunktion) alle ihr zugänglichen Ressourcen dieser Zielsetzung unterordnen. Am Ende würden dann alle irdischen (Energie-)ressourcen oder auch die Ressourcen anderer Planeten, sobald diese zugänglich werden, genutzt werden, um noch bessere Büroklammern zu erstellen. Falls erforderlich würde die KI, sofern sie es erlernt hat, andere, „störende“ (in Bezug auf die Zielfunktion)  Einflüsse, wie bspw. „Energieverschwendung“ für private Haushalte oder den ÖPNV, abschalten um Ihrer Zielfunktion zu genügen.

 

Collection #1

So, jetzt wird es operativ!

Beim letzten großen Hack ist eine recht große Sammlung an emails und Passwörtern unter dem Namen „Collection#1“ online gestellt worden (1,16 Paare von emailadresen und Passwörtern, davon 772 verschiedene, der Rest sind wohl Dubleten).

Da genug darüber geschrieben wird, an dieser Stelle nur der Hinweis auf die Website, mit deren Hilfe man feststellen kann, ob man betroffen ist: link. Wenn man die eigene email Adresse angibt und die Meldung erscheint: „oh no – you have been pwned“, dann ist man betroffen.

Dann also mindestens das Passwort wechseln (auf ein wirklich sicheres), die Sicherheitsmechnismen verbessern (siehe frühere Artikel im Blog) oder sogar auf eine andere email Adresse ausweichen.

Der Umgang mit dem Medium

50% der internetnutzer sind schon Opfer von Cybercrime geworden, aber die Frage ist doch: Wieviel sind sie selbst schuld…?

Und da kam nun die Antwort aus dem Bundestag selbst:

Laut einem Bericht haben nur 2.1 % der Abgeordneten die angebotene Zweifaktorauthentifizierung von Facebook (empfohlen im Zuge der letzten Bundestagswahl von Facebook im Jahre 2017) eingerichtet. OK, es gibt organisatorische Herausforderungen dabei. Aber der Ruf nach Gesetzen alleine reicht nicht, die Möglichkeiten müssen auch auch zur Anwednung gebracht werden. Und die organsatorischen Herausforderungen müssen gelöst werden, und das kostet Zeit und Aufwand.

Unabhängig davon auch nochmals eine schöne Analyse der in diesem Zusammenhang verbreieteten Meldungen und vor allem Meinungen (Nebelkerzen!). Auch hier ist der Tenor, dass man nun anfangen muß zu handeln, und das unangenehme ist wohl, dass man es auch selbst tun muß.

International Consumer Electronic Show CES

Wie jedes Jahr im Januar findet in Las Vegas die reine Fachbesuchermesse CES statt.

Während früher eher die üblichen Gadgets der Audio/Video, Gamer und Fitness Szene dort zu finden waren zeigt sich eine deutliche Verbreiterung der angesprochenen Aspekte.

Der von IBM ausgestellte Quantencomputer Q System One ist nicht wirklich das, was ein typischer Consumer dort suchen würde.

Und in einigen Berichten wird auch der auffallend große Anteil an Automobilen herausgestellt.  (In Spiegel Online wird die These gewaft, die CES laufe der Detroit Autoshow den Rang ab…). Das Autos erfährt wohl einen Wandel: Weg vom Statussymbol hin zu einer Plattform die – bestens digitalisiert / vernetzt – uns lange Zeit des Tages für Unterhaltung und/oder Information zur Verfügung steht. Und das Cockpit (also die Mensch / Maschine- Schnittstelle des Autos) ist auch ein interessantes Experimentierfeld.

Aber es werden auch eher typische CES Themen ausgestellt, wie der Ernährungsassistent, das Management des Kühlschrankinhalts in Bezug auf seine Verfallsdaten und der faltbare Fernseher.

Hier noch ein paar Eindrücke.

Facetten der Digitalisierung – Apple

Apple hat immer versucht, die eigenen Services und Hardware Produkte so miteinander zu verbinden, dass ein wirklich guter Kundennutzen nur in der Kombination der Apple Angebote zustande kam und andere Angebote schelchter funktionierten – wenn überhaupt (sogenannte „Lock-in“ Strategie). Die Basis der Gesamtangebote waren typischerweise die Hardware Produkte, die dann für den Zugang zu Software oder Cloud Services genutzt wurden (Mac zu MacOS, iPOD zu iTunes,…).

In den letzten Wochen wurde deutlich, dass die iPhone Absätze zurückgehen, insbesondere in China.

Und nun hat man sich sogar entschlossen, das Apple TV Angebot auf Samsung Fernsehern anzubieten (nativ, das heisst also ohne eine eigene Apple Box dazwischenzuschalten). Als Grund wird vermutet, dass der Apple TV Dienst nicht genügend Abonnenten hat und dass offensichtlich für Apple die Steigerung der Nutzerzahlen beim Apple TV Dienst wichtiger ist, als das so lange praktizierte Lock-in.

Das Alles wird derzeit für den Standard Kunden von Amazon Prime oder Netflix ohne große Bedeutung sein, aber es zeigt, dass Digitalisierung auch bei Firmen wie Apple Strategiewechsel erforderlich macht und der zukünftige TV Dienst wichtiger werden kann als das lange fokussierte Hardware-Geschäft.