Facetten der Digitalisierung – Thermomix

Der Thermomix macht in meinen Augen deutlich, welche verschiedenen Facetten der Digitalisierung wir in der für uns in Deutschland relevanten Wirtschaft zu betrachten haben.

So ist das Kernprodukt schon digitalisiert in dem Sinne, dass es eine (weitestgehende) Programmierung (oder programmgestützte Anleitung) des Kochvorgangs erlaubt und so schonmal viele Fehler ausschließen hilft, die beim Kochen gemacht werden können.

Es gibt schon diverse Plattformen, beispielsweise SocialMedia Kanäle von Privatleuten, die Tips und Rezepte für den Thermomix zur Verfügung stellen. Diese Community muß gepflegt werden und kann als „Digitale Fortsetzung“ der privaten Verkaufsevents gedacht werden.

Einzelhändler und solche, die an Privatleute liefern, könnten Zutaten für spezielle Thermomix Rezepte als Pakete anbieten. Die Vermarktung kann natürlich zunehmend digital erfolgen.

Der eigentliche Verkauf des Thermomix Geräts dürfte dann zukünftig i.W. über das Internet erfolgen. Hier kann mit Gutscheinen für Zubehör oder o.g. Rezeptpakete gearbeitet werden, um bestimmte Verkaufskanäle zu unterstützen.

Und Vorwerk erhält an allen diesen Fronten Wettbewerb von unterschiedlichen Seiten.

PS: Apple arbeitet beim iPhone ja mit einem ähnlichen Konzept (Kern ist das Hardware Produkt und die Services / Plattform außen herum macht den Gesamtwert aus). Der zuletzt gemeldete Einbruch der Verkaufszahlen wurde mit geringeren Geräteverkäufen in China begründet, wo die Wirtschaft ja digital mächtig zulegt…

Bildverstehen

Nachdem man bei den gängigen Suchmaschinen schon länger Sprachverstehen implementiert hat, geht der Trend nun auch zur Bilderkennung. Die üblichen Anbieter haben eine App im Angebot, um Bilder in ihre Suchmaschine einzugeben. Die Textkonvertierung ist da schonmal ganz hilfreich (vielleicht werden dann die Barcodes/QR-Codes überflüssig?).

Wenn man sich das einmal anschauen will, dann sollte man die Vorgehensweise der Agilen Entwicklung im Hinterkopf behalten, insbesondere den Begriff des Minumum Viable Products (das funktionierende Produkt mit einer minimalen Funktionalität…).

Das ist wohl derzeit der Stand der Entwicklung, aber das wird sich entwickeln.

Training für die Künstliche Intelligenz…

zeigt gewisse parallelen zur Kindererziehung.

Bei Schätzings Tyrannei des Schmetterlings wird ganz gut beschrieben, wie der Prozess aussehen sollte (inkusive Teddybär) , und auch in Dan Browns Origin gibt es ein paar Hinweise darauf.

Auch in der realen Forschungswelt sehen wir nun diese Vorgehensweise.

So hat das autodidaktische Brettspielprogramm AlphaZero von DeepMind „sich selbst das Schachspielen beigebracht“ und war innerhalb von neun Stunden in der Lage, lediglich aus den Basisregeln und mithilfe von Millionen Trainingspartien (gegen sich selbst) eines der führenden freien Programme (namen „Stockfish 8“) zu schlagen. Bemerkenswert ist noch, dass Stockfish mit einer 1000-fach höheren Rechenleistung in der Partie gearbeitet hat als Alpha Zero. Desweiteren ist AlphaZero generisch für Brettspiele ausgelegt und kann das Muster nutzen, um auch andere Brettspiele zu erlernen, was bei konventionellen Schachprogrammen nicht der Fall ist.

Somit ein Schritt in Richtung einer generischen Intelligenz, wie man sie Kindern gerne beibringen möchte.

Undumm – anstelle von intelligent

Die Sprachbedienung der Navigation im Auto ist ein deutlicher Vorteil gegenüber dem mühsamen Eintippen der Zieldaten. Aber wenn ein Sprachbefehl erst nach diversen Wiederholungen verstanden wird, und das Ganze beim nächsten Mal weider so abläuft, fragt man sich schon, wo denn jetzt die Intelligenz im System steckt…

Ja, das Sprachverstehen ist – rein wissenschaftlich – eine große Herausforderung; aber die Systeme müssen sich im Alltag beweisen. Und hier steckt noch viel Entwicklungspotenzial.

So hat eine Frau beispielsweise in einem ganz normalen Restaurant über 5000 Dollar Trinkgeld gegeben, weil sie versehentlich Ihre PIN (5650) anstelle des Trinkgeldbetrages eingetippt hat. Das sind Fehler die sich erfassen und behandeln lassen, und dies würde der Akzeptanz neuer Technologie wesentlich dienlicher sein, als die neueste Technologie; die ja nicht umsonst auch „bleeding edge“ (anstelle „leading edge“) genannt wird.

5 Jahre Garantie auf Orangensaft

Beim 35. Chaos Communication Congress (35C3) in Leipzig wurde gezeigt, wie die sichersten Biometrieverfahren (Venenscanner oder Palm-Vein-Scanner) gehackt wurden.

Es darf nicht verwundern, dass neue Sicherungsmassnahmen immer wieder überwunden werden; Fortschritt findet in allen Bereichen statt.

So weiß man bereits jetzt, dass viele (asymmetrische) Verschlüsselungen in dem Moment, in dem Quantencomputer verfügbar sind, mit geringen Zeitaufwand überwunden werden können und man entwickelt bereits an neuen Lösungen. Diese heißen dann „quantensicher“…

Problemtisch ist es, wenn wir erwarten, dass es 100% Sicherheit auf Dauer gibt. Dieser Erwartung kann nicht entsprochen werden und man muß sich ihr bewusst werden.

Ich hatte ein Erlebnis bei einer Türkeireise: Als wir mit dem Bus einen Stop machten (an einem der Plätze, wo alle Busse stoppen), da boten die Händler vor Ort frisch gepressten Orangensaft an. Sobald sie bemerkten, dass der Bus aus lauter Deutschen bestand, wechselten sie ihre Verkaufskommunikation sofort von „healthy fresh orange juice!“ zu „5 Jahre Garantie!“. Hier wurde ich mir einer typisch deutschen Erwatungshaltung bewusst.

 

NDN, der Non-Digital-Native

 

Allgemein spricht man von den Digital-Natives („ins digitale Zeitalter Geborene“) als denjenigen, die die aktuelle Technologie von früher Kindheit an erlebt haben und diese selbstverständlich benutzen (und diese auch überall erwarten). Laut Wikipedia sind die Digital Natives alle diejenigen, die nach den frühen 80ern geboren wurden.

Die Mehrheit der Deutschen ist aber älter und und somit ein Non-Digital-Native (NDN), also nicht in das Digitale Zeitalter hineingeboren worden.

Die meisten von diesen haben noch bewusst die Zeiten erlebt, in denen Telefone ausschliesslich mit Festnetzanschlüssen funktionierten (Die erste Frage in einem Telefonat war sinnvollerweise nicht ‚Wo bist du gerade?‘), der Fernseher Schwarz-Weiß war oder zumindest nur drei Programme hatte und Kinder die Rolle der Fernbedienung übernahmen…

Innerhalb der NDNs gibt es Unterschiede. Als Digital Immigrant – also der Einwanderer ins Digitale – versucht man, sich in dieser Welt als ursprünglich Fremder bestmöglich zu integrieren. Es gibt einige, die ganz bewusst ins „Digitale“ einwandern wollen. Andere müssen es zwangsläufig, weil man sonst mit lieben Freunden und Angehörigen gar nicht mehr kommunizieren kann. Der Umgang mit dem Immigrantendasein ist aber häufig nur bedingt vom Alter abhängig, hier sind andere Aspekte regelmäßig viel wichtiger.

PS: Ich selbst bin NDN und der Blog dient ja auch ein wenig dazu, meine Einwanderung zu forcieren.

Selbstvermessung

Bei all den Festtagsessen bietet es sich an, den Körper und seine Veränderungen unter Kontrolle zu halten. Auch hierzu gibt es einen Trend, der allerdings nicht nur die Festtage mit ihren üblichen Konsequenzen im Fokus hat.

Unter dem Begriff Selbstvermessung (Quantified Self) versteht man die systematische Erfassung von Umgebungs- und Körperdaten um sich, in der Regel gesundheitlich oder sportlich, weiterzuentwickeln.

Ein Gradmesser der Verbreitung von solchen technologiegetriebenen Trends ist für mich immer das Angebot der Discounter. Ich habe vor Weihnachten ein Prospekt gefunden, bei dem ein Discounter eine Serie von Geräten (Fitnessarmband, Waage, Fieberthermometer, Pulsmesser und Blutdruckmessgerät) anbietet, die allesamt mit einer App verbunden werden können und die Daten zentral aufbereiten kann. (eist funktionieren diese ersten Angebot enicht gut, aber sie geben einem eine konkrete Vorstellung davon, was geht (und was eher nicht).

Bei Neujahrsvorsätzen zur Gesundheit bietet es sich ja dann an, das einmal auszuprobieren. (Hilft vermutlich aber nicht, den Vorsatz langfristig beizubehalten …)

Keine Spuren hinterlassen! (letztes Türchen)

Nicht zuletzt die Botschaft von Astro-Alex an die Enkelkinder hat das Thema Umweltschutz und verantwortungsvoller Umgang mit der (Um)welt einmal wieder hervorgehoben.

Das berühmte Burning Man Festival hat als das 8. Prinzip: Wir hinterlassen keine Spuren!

Aber häufig ist die Vorwärtsbewegung damit verbunden, Spuren zu hinterlassen.

So steht die Förderung der Steinkohle im engen Zusammenhang mit dem Aufschwung nach dem Krieg. Ohne Tagebau hätte es so nicht stattgefunden.

Unter den Geocachern gilt CITO : Cache in, Trash out (Cache hinein, Müll heraus).

Es geht also nicht darum, überhaupt keine (!) Spuren zu hinterlassen. Alles Wirken hinterlässt Spuren, und so wie Astro-Alex es sagte, geht es darum, das System in einem guten Zustand zu hinterlassen. Wenn es Fortschritt war, ist er aber definitiv anders als vorher!

Verschiedene Kulturen (23. Türchen)

Bevor es jetzt ganz weihnachtlich wird nochmals kurz ein Blick auf die unterschiedlichen Kulturen.

Die typisch deutsche Kultur geht mit neuen Technologien vorsichtig um, man ist im Zweifel eher zurückhaltend.

Die typisch amerikanische Kultur sieht zunächst das positive und treibt das erstmal voran.

Die typisch asiatische Kultur sieht das erstmal aus der Perspektive der Gesellschaft und bewertet von dort aus.

Frankreich hat sich lange Zeit sehr technologiefreundlich gezeigt, aber die Gelbwesten haben diesem Ansatz eine deutliche Absage erteilt (weil sie den Schwerpunkt an vollkommen anderer, wesentlich fundamentaler Stelle sehen).

Das Rennen um die Vorherrschaft im Feld der Zukunftstechnologien ist und bleibt erstmal vollkommen offen und die aufkeimenden lokalen Polittendenzen werden hier eine wesentlich Rolle spielen.

Aber jetzt raus aus den Betten und das dreiundzwanzigste Türchen öffnen.

Muss das denn sein? (22. Türchen)

Na das mit der neuen Technologie und so weiter?

Die Antwort ist relativ einfach und vielfach thematisiert:

Technologie lässt sich nicht aufhalten (- nur gestalten)

Wir können also den Fortschritt ignorieren und versuchen, ihn nicht weiter zu beachten, er wird sich aber den Weg bahnen. Und dann ist es besser ihn mit zu gestalten.

Das hat bereits Friedrich Dürrenmatt in seinen „Physikern“ beschrieben.

Bevor Ihr aber nun den Fortschritt mitgestaltet geht es erst einmal aus den Betten raus und es wird das zweiundzwanzigste Türchen geöffnet.