Bezugssysteme (21.Türchen)

Ein Bezugssystem ist wichtig. Wir setzen üblicherweise alles, was wir erfahren, in einen Bezug.

Und aus diesem Bezug heraus bewerten wir es. Wir sind gut in einem Thema, aber wir bekommen eine schlechte Kritik, das weckt uns auf. Wir sind es gewöhnt, dass der Nachbar uns grüßt, er macht es einmal nicht und wir überlegen, ob wir ihn verstört haben. (ich benutze bewusst das generalisierende Maskulinum, um mein Bezugssystem nicht zu verändern…)

Spannend wird es, wenn wir das Bezugssystem selbst verändern. Alexander Gerst ist gestern von der ISS zurückgekehrt und kann sich über „den Geruch der Erde“ freuen. (nach einem halben Jahr Astronautenkost und Schwerelosigkeit und …)

In dem Roman „Die Tyrannei des Schmetterlings“ wird die Theorie der Multiversen erwähnt, deren Kerninhalt ist, dass es unendlich viele Universen wie unseres gibt. Ein interessanter Gedanke, dass es unendlich viele solcher Welten gibt, und einige davon nahezu genauso ablaufen wie unsere, aber doch ein bisschen anders… Mich beruhigt es, es erlaubt, einige Dinge nicht ganz so wichtig zu nehmen.

Eine weitere wichtige tektonische Veränderung: Nach 10 Jahren trennen sich Florian Silbereisen und Helene Fischer. Ok, da brauche ich noch nicht mal die Theorie der Multiversen um mich zu beruhigen…

Aber jetzt ganz irdisch raus aus den Betten und das einundzwanzigste Türchen aufmachen, vielleicht verändert es ja Euer Bezugssystem…

Und wohin mit der Zeit? (20. Türchen)

Uns kann die Arbeit ausgehen. Falls uns also das Geld dann nicht ausgeht bleibt noch das Problem, sich die Zeit zu vertreiben.

Auch hier tut sich ein neuer Ansatz auf: Online Games.

Ich gebe zu auch schon online gespielt zu haben, aber es ist schon erstaunlich, wenn man sich die damit verbundenen Zahlen vor Augen führt.

So macht die Gaming Industrie pro Minute (!) weltweit 2.2 Millionen Euro Umsatz. Viele der beliebtesten Spiele sind im Grunde gebührenfrei und nur spezielle (vorteilsgewährende) Zusatzfunktionen, wie Ausstattung der eigenen Spielfigur etc., können kostenpflichtig dazu erworben werden.

Minütlich wächst die Gemeinde um 360 Spieler weltweit. Weitere Information findet man hier.

Zahlen und Fakten sind auch hier nochmals zusammengestellt. Interessant ist dabei die Verteilung des Umsatzes auf die Länder, allen voran China mit über 60.000€ pro Minute.

Wenn man aber das ganze auf den Umsatz pro Einwohner im jeweiligen Land berechnet, rutscht China ganz schnell vom ersten auf den letzten Platz der betrachteten Länder und Japan übernimmt die Spitze.

Umsatz in € pro Minute China USA Japan Südkorea Vereinigtes Königreich Deutschland Frankreich
Gesamtumsatz 62.700 58.620 37.020 10.800 8.460 9.060 6.000
Einwohner (in Mill.) 1.325 325 127 51 66 83 67
Umsatz pro Kopf 47,3 180,4 291,5 209,8 128,2 109,4 89,4
Reihung nach Ums. Pro Kopf 7 3 1 2 4 5 6

Statt aber nun zu daddeln und den Umsatz der Gaming Industrie vorwärts zu bringen heisst es jetzt mal wieder raus den Betten und das 20. Türchen öffnen.

Die letzte Meile (17. Türchen)

In einem Langstreckenrennen ist die letzte Meile eine große Kraftanstrengung, die regelmäßig durch die Motivation gemeistert wird, die davon ausgeht, dass man dem Ziel schon so nahe ist.

In der Internetversorgung ist die letzte Meile immer schon ein Thema gewesen: Breitbanderschließung, Glasfaserkabel, G5 an der letzten Milchkanne…

Aber es gibt sie auch an anderer Stelle: Beispielsweise die Paketdienste, die unsere Internetbestellungen ausliefern. (Ich bin hier der Meinung, man sollte – wann immer möglich – Packstationen nutzen!)

Und dann gibt es noch eine ganz große Herausforderung bei der Elektromobilität. Eines der großen Probleme ist die Lieferung der Energie an den Ort der Nutzung (Point of Sales) . Dieser verändert sich naturgemäß permanent. Mithilfe von Akkutechnik erhöht man Reichweite, aber es muß immer wieder eine Ladestation angefahren werden. Derzeit zwingt die Problematik der letzten Meile zu reichlich Kompromissen (wie bspw. Hybrid). Die letzte Meile ist also, wie im Rennen, schwer, aber immer wichtig.

Jetzt aber raus aus den Betten und nur ein paar Meter bis zum siebzehnten Türchen.

Mal was Leichtes zur Abwechslung (7. Türchen)

Ok, in den letzten Tage waren es immer sehr komplexe Themen; dann jetzt zur Abwechslung mal etwas leichtere Kost – insbesondere für diejenigen, die mit den digitalen Themen nicht ganz so vertraut sind.

Mit dem Begriff Digitalisierung tun sich viele etwas schwer, und auch so typische moderne Ansätze – wie Blogs oder so – sind auch nicht jedermanns Sache.

Da aber häufig die papiergestützte Kommunikation immer noch vorherrschend ist, sollte man natürlich auch überlegen, wie man die modernen Konzepte, wie das „Like“ der digitalen Welt, wieder zurückführen kann in die „alte“ Welt. Hier eignet sich dann der Like- und der Dislike- Stempel sehr gut.

Dieser Blog hier hat auch schon ein „Like“ (digital) bekommen – gleich am Anfang, ich hoffe nicht, dass sich jemand da vertippt hat… Falls also noch jemand sein Gefallen/Missfallen dokumentieren möchte: Die betreffende Blogseite einfach ausdrucken und dann anschließend entsprechend stempeln…

Das soll für heute reichen. Also jetzt raus aus den Betten und das siebte Türchen öffnen.

PS: Man kann diese Stempel (und andere Dinge) tatsächlich hier finden.

Güterabwägung I (5. Türchen)

Der Einsatz von moderner Technologie war (sinnvollerweise) schon immer umstritten und viel diskutiert. Der Abwurf der Atombombe und der Einsatz von Atomreaktoren ist eine Entscheidung von Menschen gewesen. Diese haben zuvor abwägen müssen, ob der Einsatz gerechtfertigt ist, also ob Risiken/Schäden und Ziele im angemessenen Verhältnis zueinander stehen (Güterabwägung). Dies wird auch in Zukunft so sein.

Moderne Technologien (insbesondere künstliche Intelligenz und Robotik) erfordern eine Erweiterung dieses Konzeptes.

Stellen wir uns ein selbstfahrendes Auto vor, dann kann ein solches Auto (zumindest seine Steuerung) aber auf einmal auch eine solche Güterabwägung machen müssen.

Ein solches Auto erkennt Gefahrensituationen . Ein entgegenkommendes Fahrzeug, das in die eigene Fahrspur hineinfährt, ist eine Gefahr. Wenn das Ausweichen aber nun bedeutet, einen gerade überholten Fahrradfahrer zu gefährden, wird einer der beiden naheliegenden Schadensfälle eintreten. (In diesem Gedankenexperiment gibt es keine dritte Möglichkeit!)

Jetzt muss das „Auto selbst“, also das Steuerungsprogramm, eine Güterabwägung vornehmen. Das ist die wesentliche neue Qualität der Güterabwägung, die der Einsatz neuer Technologien erfordert. Es bleiben die gleichen Fälle zu entscheiden, die Entscheidungen werden aber zukünftig auch von Maschinen vorgenommen. Es sind – erstmal – nur die Alltagssituationen, aber es sind technische Systeme denen wir eine Güterabwägung übertragen werden.

Der vermeintliche „Vorteil“ ist dabei, dass diese Güterabwägung vorab und ganz bewusst und explizit gemacht werden muss, da sie dem System vor Inbetriebnahme mitgeteilt (programmiert) werden muss.

So, aber jetzt erstmal raus aus den Betten und das 5. Türchen öffnen!

PS: Stiefel putzen und rausstellen nicht vergessen…

Nachtrag für Literaturinteressierte

Am obigen Thema wird deutlich, dass die Asimovschen Robotergesetze nicht ausreichend sind:

  1. Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen, außer er verstieße damit gegen das nullte Gesetz.
  2. Ein Roboter muss den Befehlen der Menschen gehorchen – es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum nullten oder ersten Gesetz.
  3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange sein Handeln nicht dem nullten, ersten oder zweiten Gesetz widerspricht.

Gut, sie stammen aus der Veröffentlichung Ich, der Robot von Isaac Asimov, 1950. Damals war es zunächst einmal Science Fiction und es stellte den Stand der (vorstellbaren) Technik dar.

Haltungsnoten für Künstliche Intelligenz (3. Türchen)

Heute geht es nochmals nach Asien, aber nicht ganz so heftig wie gestern.

In Japan arbeitet man an einem für mich schon immer unerschließlichen Rätsel mithilfe moderner Technik: Bei den Turnern sollen die Wettkampfrichter mithilfe von Computersystemen (und deren künstlicher Intelligenz) unterstützt werden bei der Bewertung der Haltung der Athleten. (Im Gegensatz zum letzten Blogpost geht es hier um die Körperhaltung, nicht um die geistige…)

http://www.fujitsu.com/global/about/resources/news/press-releases/2018/1120-01.html

In der Pressemeldung ist auch ein Link zu einem Video, und spätestens, wenn man die Performance der Athleten sieht, heisst es wieder…

Raus aus den Betten und macht das dritte Türchen auf!

„Soziales Netz“ in China (2. Türchen)

Die Volksrepublik China will bis 2020 ein Sozialkreditsystem einzuführen.

Ein erster Vergleich erinnert an die uns bekannten Bonitätsbewertungssysteme wie bspw. Schufa…

Zur Bewertung werden neben der Kreditwürdigkeit, der Zahlungsfähigkeit und dem Strafregister auch „persönliches Verhalten“ und „persönliche Beziehungen“ herangezogen. Die Bewertung kann dann zu eingeschränkter Reisefreiheit, Priorisierung bei Behörden(vor)gängen, Zugang zu Krediten und Einschränkungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge führen.

Dann ist noch interessant, dass die führenden Konsumentenplattformen Alibaba Group (chinesisches Äquivalent zu Amazon), Tencent (chinesisches Äquivalent zu Facebook) und Baidu (chinesisches Äquivalent zu Google) stark von staatlicher Stelle unterstützt und gesteuert werden.

Nachdem China in die Forschung zur künstlichen Intelligenz mehr als das 10-fache der BRD investieren möchte ist klar, dass man dann auch problemlos die Daten dieser Konsumentenplattformen auswerten könnte – im Sinne einer Bewertung des sozialen Verhaltens (Social Scorings).

Mit dieser Ausgangssituation kann man problemlos einen weiteren dystopischen Science Fiction Roman entwerfen. Das hier ist jedoch in ca zwei Jahren Realität, wir werden also recht schnell sehen, wie sich das ausnimmt.

Aber jetzt erstmal raus aus den Betten und macht das zweite Türchen auf!

Vorwort (1. Türchen)

Wie jedes anständige Buch fange ich auch diesen Blog mit einem Vorwort an, um auf ein paar Dinge hinzuweisen, die mir wichtig sind.

Ich will in den Blog-Beiträgen Anregungen zum Denken geben. Dabei will ich auch ein wenig darüber berichten, was das Bloggen selbst betrifft. Das kann langweilig werden – weil es ja eine Erfahrung ist, die einige der Leser nicht kennen (oder nur von der anderen Seite her kennen). Es kann aber vielleicht auch ein wenig Appetit machen. Lasst es mich gerne über die Kommentare wissen.

Ach ja, die Kommentare! … Weiterlesen „Vorwort (1. Türchen)“

Start

Moin,

das ist der Start meines kleinen Blogprojektes für einen Advent: Ich will mich zu 24 Tagen Blogarbeit zwingen und Euch so einen digitalen Adventkalender bescheren.

Wenn es gut geht (was auch immer das heißt), will ich weiter bloggen; wenn nicht, gibt es nächstes Jahr einen Adventkalender mit Schokolode oder Teebeuteln… Seth Godin hat in seinen Posts immer wieder angeregt, regelmäßig zu bloggen, und da dachte ich, ich mache es in Form eines Adventkalenders – die Verbindung eines alten Brauchs mit einem neuen Medium.

Es geht mir inhaltlich um Veränderungen in der Technologie und ihre möglichen oder tatsächlichen Auswirkungen. So habe ich als Bildmotive erstmal Autos gewählt. Das gespenstische Logo zum Blog ganz oben ist ein selbstfahrender LKW aus einer Technologiemesse von 2018. Das Bild zu diesem Beitrag ist eine Szene aus 1900 (nachgestellt im Technikmuseum Sinsheim).

Wer mag, kann sich bei neuen Beiträgen eine Benachrichtigung senden lassen, indem er mir folgt (siehe Schaltfläche am rechten Rand). Ansonsten muß man halt immer an dieser Stelle nachschauen. Der „Digital Native“ – also derjenige, der in das „Digitale Zeitalter“ hineingeboren wurde – kann sich natürlich auch gleich morgens im Bett den Tagesbeitrag auf dem Handy bzw. Tablet anschauen und dann erst die anderen (analogen) Türchen aufmachen.

In diesem Sinne eine besinnliche Zeit…