Zukunft der Arbeit – update

Zu Beginn des Jahres hat der Branchenverband Bitkom eine Studie zu diesem Thema initiiert.

Dabei haben sich drei zentrale Ergebnisse gezeigt. Zunächst einmal ist für 2019 der Studie zufolge mit 40.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen im Bereich des Branchenverbandes (IT und Kommunikation) zu rechnen. Das wird hauptsächlich durch die Digitalisierung erreicht und umfasst somit auch Unternehmen außerhalb des Branchenverbandes.

Zweitens ist das Wachstum begrenzt durch die Anzahl an zur Verfügung stehenden Fachkräften und nicht durch das Ende der Arbeit…

Und drittens schrumpft der Markt für Unterhaltungselektronik im zweiten Jahr in Folge. Das wundert mich wirklich nach einem Streifzug vor Weihnachten durch die üblichen Technologieaufhäuser.

Open Source Orgelbau

Im Programm des Chaos Communication Congress (also des Hackertreffens des Chaos Computer Clubs mit 16.000 Teilnehmern derzeit in Leipzig) war ein Vortrag zu genau diesem Thema.

Leider konnte ich den Vortrag nicht hören, aber die Ankündigung ist vielversprechend, nämlich die Anwendung von 3D Druckern beim Orgelbau und die Veränderung der Weitergabe des Wissens bei einem traditionellen Beruf (geheim-by-accident) in Form eines OpenSource Ansatzes.

(Es sind auch links angegeben, um Dateien herunterzuladen, mit denen sich Orgelteile und -pfeiffen in 3D drucken lassen…)

Aus einem völlig anderen Kontext (ekitchen newsletter) erreichte mich letzte Woche die Meldung, das der Thermomix vom Aussterben bedroht ist! Nach Analyse des Artikels sind traditionelle Arbeitsplätze bedroht und Discounter können mittlerweile preiswerter vergleichbare Technik anbieten. Man will wohl die Technik verbessern um nicht konkurrenzfähige Funktionen zu erzeugen. Ich bin gespannt, ob das gelingt. Es wird schwierig werden, mit reiner Technologie Funktionen zu erzeugen, die nicht einfach kopiert werden können. Es wird vermutlich wichtiger sein, eine Plattform oder ein Ecosystem zu erzeugen (durchaus mit technischen Hilfsmitteln), in das sich gerade nicht einfache Technologiekopien einklinken können.

Vorhersage zur allgemeinen künstlichen Intelligenz

Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass 76% aller Berichte, die anfangen mit „Amerikanische Forscher haben …“, nicht zutreffen. Das ist natürlich besonders spannend, wenn man herausfinden will, wann den endlich künstliche Intelligenz (KI) so richtig verfügbar ist…

Um die Gefahr, sich zu verschätzen, möglichst niedrig zu halten, hat der Zukunftsforscher Martin Ford einmal die Branchengrößen der KI dazu befragt.

Die Frage war danach, wann man mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% damit rechnen kann, dass eine allgemeine KI existiert (also eine künstliche Intelligenz, die dem Menschen grundsätzlich und nicht nur in einigen Gebieten überlegen ist).

Die Antworten schwankten von 2029 bis 2200. Und das in USA, wo die Firmenlenker im algemeinen sehr visionär sind. Es bleibt also noch ein wenig Zeit.

Wer aber die Errungschaften der speziellen künstlichen Intelligenz bestaunen möchte: Es gibt einen Artikel über das neue Buch von Martin Ford, der in englischer Sprache erschienen ist. Mittlerweile haben alle gängigen Webbrowser aber einen automatischen Übersetzer verfügbar, mit dessen Hilfe man die Website, während man sie aufruft, übersetzen kann. Einfach mal ausprobieren bei diesem link.

Hat die Arbeit noch Zukunft? (19. Türchen)

Robotik und Automation reduzieren den Bedarf an typischer Arbeitsleistung.

Auch wenn sich in diesem Zusammenhang neuer Arbeitsbedarf auftut kann man sich leicht vorstellen, dass uns die Arbeit (zumindest für einige von uns) ausgeht.

Die üblichen Bedrohungsszenarien sind hier schnell aufgezeigt (Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeit, totalitäres Regime, …). Aber interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Szenario, das Benedikt Herles zeichnet, der den geringeren Bedarf an Arbeitsleistung in klassischen Bereichen verbindet mit dem Bedarf an Arbeitskräften im Sozialen Bereich und der Disksussion um das Grundeinkommen. Sein Vorschlag ist ein bedingtes Grundeinkommen, das an Engagement im Sozialen gebunden ist. Sein Vorschlag geht auch auf die Finanzierungsansätze dazu ein. Mehr dazu in einem Gespräch mit ihm.

Einen weniger radikalen Ansatz verfolgt eine Beratungsgesellschaft in Bielefeld mit einer 25 Stundenwoche (bei vollem Gehalt). Hier geht es allerdings um maximale Effizienz in den 5 Stunden und das Vermeiden von Störungen.

Bevor Ihr aber nun an Eure Arbeit geht erstmal raus aus den Betten und das neunzehnte Türchen öffnen!

Die vorletzte Meile (18. Türchen)

Nach der Betrachtung der letzten Meile, bin ich im Zusammenhang mit dem Internetversandhandel auf die vorletzte Meile gestoßen.

Die letzte Meile ist hier physische Auslieferung an den Endkunden. Das Kernsystem ist die Bestell- und Logistiksteuerung in den Rechenzentren von Amazon. Aber da gibt es noch die Versandzentren, in denen die Bestellungen kommissioniert werden. In riesigen Lagern von über 100.000 Quadratmetern werden teilweise über 10 Millionen Artikel von Mitarbetern (den Stowern) eingelagert und von anderen (den Pickern) dann wieder entsprechend der Bestellungen der Kunden in Paketen zusammengestellt. Die Picker legen dabei teilweise 10-15 km pro Schicht zurück. Die letzte Meile ist für diese Leute ganz besonders interessant. (Die Robotisierung dieser Arbeit wird natürlich gerade betrieben.)

In USA gibt es zumindest bei einigen dieser Verteilzentren Campingplätze/Trailerparcs, auf denen die Saisonarbeiter insbesondere in Zeiten hoher Nachfrage – wie jetzt – auf Kosten von Amazon stehen können. Work and Travel in Reinform…

Aber jetzt erstmal wieder raus aus den Betten zur vorletzten Meile des Adventsrennens und das achtzehnte Türchen öffnen.

Agilität versus Hektik (14. Türchen)

So, heute ist Freitag und wir wollen nicht schon wieder nur über Arbeit reden. Freitage sind meist hektisch, weil man einige Ding vor dem Wochenende erledigen will.

Hektik ist das Ergebnis von ungeplanten Aktionen und entsteht dann bei „Reparaturversuchen“. Geschwindigkeitsvorteile, die man über die Digitalisierung erreicht, werden dann gerne genutzt (das klappt aber nur, wenn es etablierte Routine ist).

Im Gegensatz dazu ist ermöglicht uns die Digitalisierung aber ganz gezielt Agilität. Hier geht es um kurzfristig geplante(!) Änderungen, beispielsweise bei der Entwicklung eines Produktes (z.B. einer Ausgabe einer Zeitschrift). Kurzfristige Änderungen der Beiträge sind aufgrund digitaler Medien leichter möglich und die Automatisierung der Druckausgabe erlaubt es, den Redaktionsschluß noch weiter nach hinten zu schieben.

Dieses Prinzip ist in den Zeitungsredaktionen schon lange bekannt und wird in den letzten Jahren unter dem Namen Agile Entwicklung auch in der Software Entwicklung angewandt.

Bevor wir uns das aber genauer anschauen, erstmal raus aus den Betten und das vierzehnte Türchen öffnen!

Zukunft der Arbeit VI (13. Türchen)

Digitalisierung ist Innovation

… und als solche kann sie nicht immer erfolgreich sein. Das heißt, es werden Projekte scheitern, da Innovation immer darin besteht, etwas Neues auszuprobieren. Für diejenigen, die in einem solchen Projekt arbeiten, ist das kein persönliches Scheitern und man darf es auch nicht als solches ansehen. Wenn man sich drauf einstellt, kann man auch gleich schauen, welches das nächste Projekt sein kann, in dem man sich engagieren möchte.

Man kann das passieren lassen, aber es ist befriedigender, wenn man sich selbst ein wenig mit um das nächste Projekt kümmert.

Und jetzt raus aus den Betten und das dreizehnte Türchen öffnen!

Zukunft der Arbeit V (12.Türchen)

Wiedererstarkung des Handwerks

Wenn alles automatisiert (und vereinheitlicht) wird, wird Handgefertigtes etwas Besonderes sein. So werden wir Blumensträuße und Torten für besondere Anlässe nicht bei einem Discounter oder bei einem Internetversandhandel bestellen. Hierbei wird Qualität eine große Rolle spielen, denn Standard geht ja dann auch einfacher und preiswerter.

Und jetzt raus aus den Betten und das zwölfte Türchen am handgefertigten Kalender öffnen!

Zukunft der Arbeit IV (11. Türchen)

Digitalisierung passiert im jeweiligen Umfeld

Es ist kein Geheimnis, dass wir uns in Deutschland im Bereich der Digitalisierung nicht an vorderster Front bewegen. Diese geringe Geschwindigkeit macht sich vorrangig bei den Unternehmen bemerkbar, die auf lokale Konpetenzen angewiesen sind, also dem Mittelstand. Das ist für uns ein wichtiges Segment, häufig  mit einem Schwerpunkt auf Produktionstechnik, und unter dem Stichwort Industrie 4.0 wird die Digitalisierung dieses Segments zusammengefasst. Hier werden sich digitale Technologien u.U. langsamer durchsetzen, als beispielsweise in international agierenden Großunternehmen, die durch den Wettbewerb in anderen – technisch agileren – Regionen zu einer schnelleren Adaptierung der neuen Technologien gezwungen sind.

Anmerkung: Die langsamere Geschwindigkeit ist nicht per se ein Nachteil. Bei der Einführung neuer Prozesse und Verfahren wollen häufig viele Beteiligte nicht in der ersten Welle bedacht werden, da man ja dann auch mit allen Kinderkrankheiten einer Technologie umgehen muß. Ein „First Mover Advantage“ (also der Vorteil des Ersten) ist damit natürlich verspielt. Um diesen aber aufrecht zu erhalten, muß man sich in der Regel aber komplett auf das neue Thema einlassen, und das kann auch schief gehen.

Unabhängig davon, ob man etwas einführt oder nicht, muß man sich mit der neuen Technologie und Ihren Auswirkungen für seine Arbeitsumgebung vertraut machen.

Davor müsst Ihr aber nun aufstehen und das elfte Türchen öffnen.

Zukunft der Arbeit III (10. Türchen)

Die Veränderung erfolgt schleichend!

Digitalisierung (was auch immer das genau ist) wird die Berufswelt verändern, aber das passiert nicht mit einem großen Knall. Die Veränderungen werfen ihre Schatten voraus, und es gilt, diese Veränderungen zu verfolgen.

So wird der Chatbot in einem Callcenter nicht alle Callcenter Mitarbeiter in einem Schritt ersetzen, es gibt immer noch Anrufe, die individuell behandelt werden müssen. Und sobald ein neues Themenfeld automatisiert werden kann, wird auch dieses dem Chatbot übertragen.

Und auch ein komplexes Vorhersagesystem (bspw. mit Saat und Düngeempfehlungen im landwirtschaftlichen Bereich) wird zunächst die Informationen sammeln und aufbereiten, damit ein menschlicher Experte dann die Empfehlungen ausspricht. Die Einführung eines automatisierten Entscheidungssystems geschieht erst schrittweise viel später.

Verschwinden dann die Jobs? Ja und nein. Es wird wohl langfristig keine Callcenter Agenten geben, die immer die gleichen Themen handhaben werden. Es wird aber Bedarf bestehen nach Callcenter Agenten, die neue Themen eine Zeit lang bearbeiten und dann das Gelernte so strukturieren, dass es automatisiert werden kann. Und dann geht es in ein neues Thema….

Und das heutige Thema ist für uns aber definitiv das zehnte Türchen!