Die vorletzte Meile (18. Türchen)

Nach der Betrachtung der letzten Meile, bin ich im Zusammenhang mit dem Internetversandhandel auf die vorletzte Meile gestoßen.

Die letzte Meile ist hier physische Auslieferung an den Endkunden. Das Kernsystem ist die Bestell- und Logistiksteuerung in den Rechenzentren von Amazon. Aber da gibt es noch die Versandzentren, in denen die Bestellungen kommissioniert werden. In riesigen Lagern von über 100.000 Quadratmetern werden teilweise über 10 Millionen Artikel von Mitarbetern (den Stowern) eingelagert und von anderen (den Pickern) dann wieder entsprechend der Bestellungen der Kunden in Paketen zusammengestellt. Die Picker legen dabei teilweise 10-15 km pro Schicht zurück. Die letzte Meile ist für diese Leute ganz besonders interessant. (Die Robotisierung dieser Arbeit wird natürlich gerade betrieben.)

In USA gibt es zumindest bei einigen dieser Verteilzentren Campingplätze/Trailerparcs, auf denen die Saisonarbeiter insbesondere in Zeiten hoher Nachfrage – wie jetzt – auf Kosten von Amazon stehen können. Work and Travel in Reinform…

Aber jetzt erstmal wieder raus aus den Betten zur vorletzten Meile des Adventsrennens und das achtzehnte Türchen öffnen.

Die letzte Meile (17. Türchen)

In einem Langstreckenrennen ist die letzte Meile eine große Kraftanstrengung, die regelmäßig durch die Motivation gemeistert wird, die davon ausgeht, dass man dem Ziel schon so nahe ist.

In der Internetversorgung ist die letzte Meile immer schon ein Thema gewesen: Breitbanderschließung, Glasfaserkabel, G5 an der letzten Milchkanne…

Aber es gibt sie auch an anderer Stelle: Beispielsweise die Paketdienste, die unsere Internetbestellungen ausliefern. (Ich bin hier der Meinung, man sollte – wann immer möglich – Packstationen nutzen!)

Und dann gibt es noch eine ganz große Herausforderung bei der Elektromobilität. Eines der großen Probleme ist die Lieferung der Energie an den Ort der Nutzung (Point of Sales) . Dieser verändert sich naturgemäß permanent. Mithilfe von Akkutechnik erhöht man Reichweite, aber es muß immer wieder eine Ladestation angefahren werden. Derzeit zwingt die Problematik der letzten Meile zu reichlich Kompromissen (wie bspw. Hybrid). Die letzte Meile ist also, wie im Rennen, schwer, aber immer wichtig.

Jetzt aber raus aus den Betten und nur ein paar Meter bis zum siebzehnten Türchen.

Agile Entwicklung (15. Türchen)

Unter Agiler Softwareentwicklung versteht man eine Methode, Software schneller und zielgerichteter zu entwickeln. Dabei orientiert man sich stärker an der schnellen Abstimmung mit dem Nutzer als an langfristigen Verhandlungen über große Anforderungslisten – welche dann meist veraltet sind, sobald die Software fertiggestellt ist (-> diese letzteren Methoden werden auch schonmal als „Wasserfallmodelle“ bezeichnet).

Spannend wird es, wenn man diese Methode auf andere Bereiche anwendet. Ich hatte das schon häufiger im Arbeitsumfeld getan, aber was ich jetzt gesehen habe, finde ich unheimlich interessant:

Unter der Überschrift SCRUM @ School wird schon seit einigen Jahren untersucht, wie sich die SCRUM Methode (eine spezielle Agile Entwicklungsmethode) in der Wissenvermittlung nutzen lässt, teilweise mit recht interessanten Erfolgen.

Ein Video mit einem solchen Versuch: link

Und schließlich hat sich nun auch eine Initiative zur systematische Aufarbeitung des Themas gebildet, die dann auch interdisziplinäres Lernen in Gruppen mit eigener Lerngeschwindigkeit beinhaltet: Scrum4Schools

Im übrigen fäll tmir gerad eauch auf, dass das Bloggen eine Scrum-Variante des Buchschreibens ist…

Aber jetzt gilt es erstmal, agil aus den Betten zu kommen und das fünfzehnte Türchen zu öffnen!

Agilität versus Hektik (14. Türchen)

So, heute ist Freitag und wir wollen nicht schon wieder nur über Arbeit reden. Freitage sind meist hektisch, weil man einige Ding vor dem Wochenende erledigen will.

Hektik ist das Ergebnis von ungeplanten Aktionen und entsteht dann bei „Reparaturversuchen“. Geschwindigkeitsvorteile, die man über die Digitalisierung erreicht, werden dann gerne genutzt (das klappt aber nur, wenn es etablierte Routine ist).

Im Gegensatz dazu ist ermöglicht uns die Digitalisierung aber ganz gezielt Agilität. Hier geht es um kurzfristig geplante(!) Änderungen, beispielsweise bei der Entwicklung eines Produktes (z.B. einer Ausgabe einer Zeitschrift). Kurzfristige Änderungen der Beiträge sind aufgrund digitaler Medien leichter möglich und die Automatisierung der Druckausgabe erlaubt es, den Redaktionsschluß noch weiter nach hinten zu schieben.

Dieses Prinzip ist in den Zeitungsredaktionen schon lange bekannt und wird in den letzten Jahren unter dem Namen Agile Entwicklung auch in der Software Entwicklung angewandt.

Bevor wir uns das aber genauer anschauen, erstmal raus aus den Betten und das vierzehnte Türchen öffnen!

Zukunft der Arbeit VI (13. Türchen)

Digitalisierung ist Innovation

… und als solche kann sie nicht immer erfolgreich sein. Das heißt, es werden Projekte scheitern, da Innovation immer darin besteht, etwas Neues auszuprobieren. Für diejenigen, die in einem solchen Projekt arbeiten, ist das kein persönliches Scheitern und man darf es auch nicht als solches ansehen. Wenn man sich drauf einstellt, kann man auch gleich schauen, welches das nächste Projekt sein kann, in dem man sich engagieren möchte.

Man kann das passieren lassen, aber es ist befriedigender, wenn man sich selbst ein wenig mit um das nächste Projekt kümmert.

Und jetzt raus aus den Betten und das dreizehnte Türchen öffnen!

Zukunft der Arbeit V (12.Türchen)

Wiedererstarkung des Handwerks

Wenn alles automatisiert (und vereinheitlicht) wird, wird Handgefertigtes etwas Besonderes sein. So werden wir Blumensträuße und Torten für besondere Anlässe nicht bei einem Discounter oder bei einem Internetversandhandel bestellen. Hierbei wird Qualität eine große Rolle spielen, denn Standard geht ja dann auch einfacher und preiswerter.

Und jetzt raus aus den Betten und das zwölfte Türchen am handgefertigten Kalender öffnen!

Zukunft der Arbeit IV (11. Türchen)

Digitalisierung passiert im jeweiligen Umfeld

Es ist kein Geheimnis, dass wir uns in Deutschland im Bereich der Digitalisierung nicht an vorderster Front bewegen. Diese geringe Geschwindigkeit macht sich vorrangig bei den Unternehmen bemerkbar, die auf lokale Konpetenzen angewiesen sind, also dem Mittelstand. Das ist für uns ein wichtiges Segment, häufig  mit einem Schwerpunkt auf Produktionstechnik, und unter dem Stichwort Industrie 4.0 wird die Digitalisierung dieses Segments zusammengefasst. Hier werden sich digitale Technologien u.U. langsamer durchsetzen, als beispielsweise in international agierenden Großunternehmen, die durch den Wettbewerb in anderen – technisch agileren – Regionen zu einer schnelleren Adaptierung der neuen Technologien gezwungen sind.

Anmerkung: Die langsamere Geschwindigkeit ist nicht per se ein Nachteil. Bei der Einführung neuer Prozesse und Verfahren wollen häufig viele Beteiligte nicht in der ersten Welle bedacht werden, da man ja dann auch mit allen Kinderkrankheiten einer Technologie umgehen muß. Ein „First Mover Advantage“ (also der Vorteil des Ersten) ist damit natürlich verspielt. Um diesen aber aufrecht zu erhalten, muß man sich in der Regel aber komplett auf das neue Thema einlassen, und das kann auch schief gehen.

Unabhängig davon, ob man etwas einführt oder nicht, muß man sich mit der neuen Technologie und Ihren Auswirkungen für seine Arbeitsumgebung vertraut machen.

Davor müsst Ihr aber nun aufstehen und das elfte Türchen öffnen.

Zukunft der Arbeit III (10. Türchen)

Die Veränderung erfolgt schleichend!

Digitalisierung (was auch immer das genau ist) wird die Berufswelt verändern, aber das passiert nicht mit einem großen Knall. Die Veränderungen werfen ihre Schatten voraus, und es gilt, diese Veränderungen zu verfolgen.

So wird der Chatbot in einem Callcenter nicht alle Callcenter Mitarbeiter in einem Schritt ersetzen, es gibt immer noch Anrufe, die individuell behandelt werden müssen. Und sobald ein neues Themenfeld automatisiert werden kann, wird auch dieses dem Chatbot übertragen.

Und auch ein komplexes Vorhersagesystem (bspw. mit Saat und Düngeempfehlungen im landwirtschaftlichen Bereich) wird zunächst die Informationen sammeln und aufbereiten, damit ein menschlicher Experte dann die Empfehlungen ausspricht. Die Einführung eines automatisierten Entscheidungssystems geschieht erst schrittweise viel später.

Verschwinden dann die Jobs? Ja und nein. Es wird wohl langfristig keine Callcenter Agenten geben, die immer die gleichen Themen handhaben werden. Es wird aber Bedarf bestehen nach Callcenter Agenten, die neue Themen eine Zeit lang bearbeiten und dann das Gelernte so strukturieren, dass es automatisiert werden kann. Und dann geht es in ein neues Thema….

Und das heutige Thema ist für uns aber definitiv das zehnte Türchen!

Zukunft der Arbeit II (9. Türchen)

Anstatt nun zu sagen, wie ein bestimmter Beruf in Zukunft aussieht, möchte ich an dieser Stelle ein paar Gedanken anbieten, die bei der Beantwortung der Frage helfen sollen.

Alles, was man digitalisieren kann, wird digitalisiert.

(… ob es sich dann durchsetzt, zeigt sich später.)

Im tertiären Sektor (Dienstleistung) sehen wir heute schon Chatbots in den Call Centern, also Programme, die den Dialog führen.

Im sekundären Sektor (Industrie) wird – insbesondere in Deutschland unter dem Begriff Industrie 4.0 – die Digitalisierung und damit auch die Automatisierung der Produktions- und Qualitätssicherungsprozesse vorangetrieben.

Und auch im primären Sektor (Landwirtschaft) gibt es mittlerweile wichtige Anwendungsfelder, wie beispielsweise Systeme mit Saat- und Düngeempfehlungen, die auch globale Klimasimulationsmodelle berücksichtigen.

Die Veränderungen in den Tätigkeiten kann man sich dann als „Schere“ vorstellen, die an zwei Stellen ansetzt, nämlich am oberen und am unteren Ende der Komplexitätsskala.

So werden im Beispiel mit der Landwirtschaft hochkomplexe neue Ansätze für die Masse der Nutzer verfügbar (und erschwinglich) , die sich niemand zuvor leisten konnte. Das ist das obere Ende der Skala.

Und am unteren Ende der Skala werden Standardtätigkeiten durch Robotik ersetzt oder unterstützt, wie beispielsweise der Chatbot der Standardanfragen selbständig handhaben kann.

Aber bevor es in Arbeit ausartet, jetzt erstmal raus aus den Betten und das neunte Türchen öffnen.

 

Zukunft der Arbeit I (8. Türchen)

In die Zukunft zu schauen ist naturgemäß schwierig. Und es gibt ein paar tolle Beispiele für Fehlprognosen.

So hat der Chairman von IBM, Thomas Watson, im Jahr 1943 einen weltweiten Bedarf für ca 5 Computer gesehen. Ok, die damaligen Rechner hatten deutlich weniger Rechenleistung und Speicherkapazität als alles das, was wir heute in einer digitalen Armbanduhr finden. Aber dennoch war der Bedarf falsch eingeschätzt worden, wohl auch, weil der Formfaktor und die Einsatzgebiete nicht richtig eingeschätzt werden konnten. (Hier gibt es noch mehr dieser Fehleinschätzungen)

Wenn man nun bei den Schriftstellern nach Prognosen sucht, sollte man am ehesten von den Science Fiction Autoren etwas erwarten. Auch hierzu ein nettes Fundstück: In Stanislaw Lems Roman Eden von 1960 beschreibt er eine Rakete, in der die ganzen Dokumentationen und  Informationen dort zu finden sind, wo man sie damals auch erwartet hat: in der Bordbibliothek! Besonders dick nehmen sich die Sternenatlanten aus…

Und auch die Profis tun sich schwer: So hat der Zukunftsforscher Matthias Horx 2010 den Untergang von Facebook binnen weniger Jahre vorausgesagt.

Nun ist es immer leicht, im Nachhinein etwas besser zu wissen. Interessant in diesem Zusammenhang finde ich es, einmal rückblickend zu schauen, was sich verändert hat. So gibt es beispielsweise die folgenden Berufe (zumindest bei uns) nicht mehr:

  • Rattenfänger
  • Klageweib
  • Lachkonserve
  • Aufwecker
  • Abtrittanbieter
  • Enzyklopädien-Verkäufer

(Erläuterungen der Berufe im Bedarfsfall hier)

So hat sich der Rattenfänger zum Kammerjäger gewandelt und ist nicht mehr von der Stadt beauftragt, sondern wird von Firmen und Privatleuten beauftragt.

Das Klageweib hat einen kulturellen Ursprung und sich mit dem Kulturwandel überdauert.

Und die anderen Berufe haben sich aufgrund des technisch-organisatorischen

Wandels überdauert oder zumindest ganz stark verändert. (So ist der Enzyklopädien-Verkäufer vermutlich heute Callcenter Agent und bietet alles mögliche an…)

Nachdem nun Wochenende ist, bietet es sich an, vor diesem Hintergrund einmal zu überlegen, wie sich unsere Berufe verändern, bzw. überdauern. Aber erstmal raus aus den Betten und das achte Türchen aufmachen!