Leicht und schwer nachvollziehbare Algorithmen

Algorithmen sind die gedankliche Basis der Datenverarbeitung. Ein Computerprogramm – egal wie kompliziert es ist – arbeitet eine zuvor festgelegte Berechnungsvorschrift (einen Algorithmus) ab. Diese Algorithmen können Parameter aus der Umgebung berücksichtigen (bspw. nutzt die Glatteiswarnung am Bordcomputer des Autos die Umgebungstemepratur als Parameter). Um gerade bei Computerspielen echte Zufälligkeit zu nutzen, können Computer auch auf Zufallsgeneratoren zurückgreifen. Aber allen diesen Programmen liegen Algorithmen zugrunde, und diese bestimmen die Logik.

Und diese Logik ist mal leicht nachzuvollziehen und manchmal schwer.

So erscheint die o.g. Glatteiswarnung im Auto eigentlich immer dann, wenn die Umgebungstemperatur einen gewissen Wert untersteigt. Also ein recht einfacher Algorithmus.

Schwieriger ist schon die Berechnung der verbleibenden Reichweite eines Autos. Diese wird mithilfe des Tankinhalts und des durchschnittlichen Benzinverbrauch der letzten Strecken ermittelt. Dies kann dazu führen, dass man, bei zunächst hohem Verbrauch (bspw. durch hohe Geschwindigkeit) und danach sehr niedrigen Verbrauch (bei idealer Geschwindigkeit) die etwas widersprüchliche Situation erleben kann, dass die verbleibende Reichweite des Fahrzeugs zeitweise steigt, obwohl gefahren (und somit Treibstoff verbraucht) wird.

Dieser Algorithmus ist also schwierig zu erklären, aber immer noch verständlich.

Und die Algorithmen des maschinellen Lernens schließlich nutzen eine mathematische Modellierung, die gar keine korrespondierende Erklärung mehr in der uns bekannten Welt haben.

Sie haben Millionen Parameter, die einfach so berechnet werden, dass die Lerneingangsmuster (bspw. Bilder) bei entsprechender Verarbeitung mit diesen Parametern möglichst häufig zu den vorgegebenen Ergebnissen (abgebildete Gegenstände) führen.

Wenn diese Algorithmen dann mit den o.g. Parametersätzen auf neue (ungelernte) Eingangsmuster (also unbekannte Bilder) wirken, ist der so ermittelte Ausgabewert eine Näherung für die tatsächliche Interpretation des Bildes. Für diese Interpretation gibt es aber keine Garantie. Die Ergebnisse sind in vielen Anwendungsfälln einfach nur gut genug, um weiterzuhelfen.

Daten und ihre Verarbeitung – aktuelle Leistungsfähigkeit

Ein paar interessante Zahlen:

In zwei Minuten werden heute weltweit mehr Fotos gemacht als im gesamten 19. Jahrhundert! (ok, es geht hier um die Menge, nicht um die Sinnhaftigkeit…)

Das System „Watson“ von IBM kann in 10 Minuten das vollständige Genom eines Menschen analysieren (und ggf. Therapieempfehlungen erstellen). Menschliche Ärzte würden für diese Aufgabe 160 Stunden benötigen.

Nach einer Studie der Kantar TNS erwartet die Bevölkerung in Deutschland im Durchschnitt weder eine Verschlechterung noch eine Verbeserung des Lebens durch künstliche Intelligenz.

Und nach der Zielfunktion?

Nun, wenn die Zielfunktion definiert ist, kann das System ja lernen und dann wird es angewandt. Bei Poker und bei Schach und Go zeigen sich dann gute Ergebnisse, das System ist besser als die menschlichen Spieler.

Aber nach welchen Strategien und welchen Taktiken spielt das System und was können wir machen, um genauso gut zu spielen?

Jetzt kommt ein ganz großes und schwieriges Feld: Erklärung von KI.

Derzeit ist das, was man gemeinhin KI nennt, nur ein System, das gut darin ist, die Verknüpfung von Eingangs- mit Ausgangssignalen herzustellen. Die Systeme sind aber so angelegt, dass sie nicht nur gelernte Eingangsignale verarbeiten, sondern auch andere Eingangssignale zulassen. Und der Erfolg der Systeme zeigt sich dann darin, dass sie bei ungelernten Eingangssignalen gute Ergebnisse erzielen.

Das Problem ist nun aber, dass die Signale auf eine mathematische Art und Weise verknüpft werden, die sich nicht in logische formale Schritte zurückverfolgen lässt, sondern zunächst quasi eine Blackbox ist. Man legt Eingangssignale an (eine Position eines Brettspiels) und das System schlägt einen nächsten Zug vor. Man weiß aber nur, dass das System in „ähnlichen“ Situationen mit diesem Zug Erfolg hatte.

Die meisten der heute existierenden Systeme sind so aufgebaut, dass sie solche Parallelschlüsse ziehen, ohne das sie eine genauere Erklärung dazu abgeben können.

Das macht auch die „Magie“ der Technik aus (berechtigter Weise). Das Problem der mangelnden Erklärbarkeit ist sinnvoller Weise auch ein Hinderungsgrund für die Verbreitung der Technik. So hat Google sich selbst ein langsameres Tempo verordnet um die Erklärbarbeit sicherzustellen (Link).

Die Zielfunktion (keine Büroklammern mehr)

Nachdem die Zielfunktion so wesentlich ist für ein selbstlernendes System wollen wir diese genauer anschauen.

Die typischen heute verfügbaren Systeme machen dass dann beispielsweise mithilfe der Spielregeln für Schach oder Go. Ganz stark vereinfacht: Das System bekommt als Maßstab definiert, schließlich den gegnerischen König zu schlagen. Dann spielt es Millionen Partien gegen sich selbst. Die ersten Partien sind grottenschlecht, aber das System lernt von „Null“ an und bildet anhand dieses Lernprozesses seinen eigenen Stil.

Während früher Spielprogramme für ein bestimmtes Spiel (Schach, Poker, Go…) konzipiert wurden, wurde das System AlphaZero für beliebige Brettspiele konzipiert. Das konkrete Spiel mit sinen Spielregeln und Siegbedingungen wird ihm dann eingegeben und in Übungspartien wird dann die Spielstrategie ermittelt. Auf diese Art konnte AlphaZero die besten verfügbaren Schach und Go Programme mit einigen Stunden Lernzeit besiegen.

Hier zeigt sich, der Ansatz zur Verallgemeinerung vom System für ein spezielles Spiel hin zu einem generischen System für Brettspiele.

Magische Technologien

Ok, der Begriff ist geborgt von Seth Godin.

In seinem Blog beschreibt er, dass Flugzeuge statistisch wesentlich sicherer sind als Autos, aber Flugangst, Sicherheitsbelehrungen usw. nur für das Flugzeug gemacht werden; beim Auto gibt es das alles nicht. Ich denke, es ist nicht ganz so einfach, da die Sicherheit der Flugzeuge natürlich auch dadurch bedingt sind, dass so viel Aufwand betrieben wird. Dann kommen noch die schlimmen Möglichkeiten, die uns am 11.September aufgezeigt wurden…

Trotzdem wird bei einigen Dingen irrational diskutiert. Es ist halt Magie.

Zunächst gefiel mir sein Bild für selbstfahrende Autos: Es sind halt keine Autos ohne Fahrer, es sind Flugzeuge mit Rädern, weil halt auch hier magisch diskutiert werden muß…

Aber dann sind da ja auch noch andere magische Themen, die irrational diskutiert werden: Waffengesetze in USA oder Tempolimit in Deutschland…

Zukunft der Arbeit – update

Zu Beginn des Jahres hat der Branchenverband Bitkom eine Studie zu diesem Thema initiiert.

Dabei haben sich drei zentrale Ergebnisse gezeigt. Zunächst einmal ist für 2019 der Studie zufolge mit 40.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen im Bereich des Branchenverbandes (IT und Kommunikation) zu rechnen. Das wird hauptsächlich durch die Digitalisierung erreicht und umfasst somit auch Unternehmen außerhalb des Branchenverbandes.

Zweitens ist das Wachstum begrenzt durch die Anzahl an zur Verfügung stehenden Fachkräften und nicht durch das Ende der Arbeit…

Und drittens schrumpft der Markt für Unterhaltungselektronik im zweiten Jahr in Folge. Das wundert mich wirklich nach einem Streifzug vor Weihnachten durch die üblichen Technologieaufhäuser.

Wie viele Jahre liegen zwischen der Erfindung der Konservendose und der des Dosenöffners ?

Die ersten Konservendosen kommen 1811 auf den Markt, brauchbare Dosenöffner aber erst knapp 50 Jahre später. Die Dosen ließen sich zunächst nur mit Gewalt öffnen, der Fortschritt ist aber unverkennbar: Sie machen die Früchte des Sommers im Winter verfügbar. Auch über große Transportwege.

Enorm, wenn man bedenkt, dass heute vielfach die Lösungen schon auf dem Markt sind, wenn wir die dazugehörigen Probleme noch gar nicht richgtig haben…Beispiele gefällig?

Facetten der Digitalisierung – Apple

Apple hat immer versucht, die eigenen Services und Hardware Produkte so miteinander zu verbinden, dass ein wirklich guter Kundennutzen nur in der Kombination der Apple Angebote zustande kam und andere Angebote schelchter funktionierten – wenn überhaupt (sogenannte „Lock-in“ Strategie). Die Basis der Gesamtangebote waren typischerweise die Hardware Produkte, die dann für den Zugang zu Software oder Cloud Services genutzt wurden (Mac zu MacOS, iPOD zu iTunes,…).

In den letzten Wochen wurde deutlich, dass die iPhone Absätze zurückgehen, insbesondere in China.

Und nun hat man sich sogar entschlossen, das Apple TV Angebot auf Samsung Fernsehern anzubieten (nativ, das heisst also ohne eine eigene Apple Box dazwischenzuschalten). Als Grund wird vermutet, dass der Apple TV Dienst nicht genügend Abonnenten hat und dass offensichtlich für Apple die Steigerung der Nutzerzahlen beim Apple TV Dienst wichtiger ist, als das so lange praktizierte Lock-in.

Das Alles wird derzeit für den Standard Kunden von Amazon Prime oder Netflix ohne große Bedeutung sein, aber es zeigt, dass Digitalisierung auch bei Firmen wie Apple Strategiewechsel erforderlich macht und der zukünftige TV Dienst wichtiger werden kann als das lange fokussierte Hardware-Geschäft.

Facetten der Digitalisierung – Thermomix

Der Thermomix macht in meinen Augen deutlich, welche verschiedenen Facetten der Digitalisierung wir in der für uns in Deutschland relevanten Wirtschaft zu betrachten haben.

So ist das Kernprodukt schon digitalisiert in dem Sinne, dass es eine (weitestgehende) Programmierung (oder programmgestützte Anleitung) des Kochvorgangs erlaubt und so schonmal viele Fehler ausschließen hilft, die beim Kochen gemacht werden können.

Es gibt schon diverse Plattformen, beispielsweise SocialMedia Kanäle von Privatleuten, die Tips und Rezepte für den Thermomix zur Verfügung stellen. Diese Community muß gepflegt werden und kann als „Digitale Fortsetzung“ der privaten Verkaufsevents gedacht werden.

Einzelhändler und solche, die an Privatleute liefern, könnten Zutaten für spezielle Thermomix Rezepte als Pakete anbieten. Die Vermarktung kann natürlich zunehmend digital erfolgen.

Der eigentliche Verkauf des Thermomix Geräts dürfte dann zukünftig i.W. über das Internet erfolgen. Hier kann mit Gutscheinen für Zubehör oder o.g. Rezeptpakete gearbeitet werden, um bestimmte Verkaufskanäle zu unterstützen.

Und Vorwerk erhält an allen diesen Fronten Wettbewerb von unterschiedlichen Seiten.

PS: Apple arbeitet beim iPhone ja mit einem ähnlichen Konzept (Kern ist das Hardware Produkt und die Services / Plattform außen herum macht den Gesamtwert aus). Der zuletzt gemeldete Einbruch der Verkaufszahlen wurde mit geringeren Geräteverkäufen in China begründet, wo die Wirtschaft ja digital mächtig zulegt…

Bildverstehen

Nachdem man bei den gängigen Suchmaschinen schon länger Sprachverstehen implementiert hat, geht der Trend nun auch zur Bilderkennung. Die üblichen Anbieter haben eine App im Angebot, um Bilder in ihre Suchmaschine einzugeben. Die Textkonvertierung ist da schonmal ganz hilfreich (vielleicht werden dann die Barcodes/QR-Codes überflüssig?).

Wenn man sich das einmal anschauen will, dann sollte man die Vorgehensweise der Agilen Entwicklung im Hinterkopf behalten, insbesondere den Begriff des Minumum Viable Products (das funktionierende Produkt mit einer minimalen Funktionalität…).

Das ist wohl derzeit der Stand der Entwicklung, aber das wird sich entwickeln.

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