Undumm – anstelle von intelligent

Die Sprachbedienung der Navigation im Auto ist ein deutlicher Vorteil gegenüber dem mühsamen Eintippen der Zieldaten. Aber wenn ein Sprachbefehl erst nach diversen Wiederholungen verstanden wird, und das Ganze beim nächsten Mal weider so abläuft, fragt man sich schon, wo denn jetzt die Intelligenz im System steckt…

Ja, das Sprachverstehen ist – rein wissenschaftlich – eine große Herausforderung; aber die Systeme müssen sich im Alltag beweisen. Und hier steckt noch viel Entwicklungspotenzial.

So hat eine Frau beispielsweise in einem ganz normalen Restaurant über 5000 Dollar Trinkgeld gegeben, weil sie versehentlich Ihre PIN (5650) anstelle des Trinkgeldbetrages eingetippt hat. Das sind Fehler die sich erfassen und behandeln lassen, und dies würde der Akzeptanz neuer Technologie wesentlich dienlicher sein, als die neueste Technologie; die ja nicht umsonst auch „bleeding edge“ (anstelle „leading edge“) genannt wird.

5 Jahre Garantie auf Orangensaft

Beim 35. Chaos Communication Congress (35C3) in Leipzig wurde gezeigt, wie die sichersten Biometrieverfahren (Venenscanner oder Palm-Vein-Scanner) gehackt wurden.

Es darf nicht verwundern, dass neue Sicherungsmassnahmen immer wieder überwunden werden; Fortschritt findet in allen Bereichen statt.

So weiß man bereits jetzt, dass viele (asymmetrische) Verschlüsselungen in dem Moment, in dem Quantencomputer verfügbar sind, mit geringen Zeitaufwand überwunden werden können und man entwickelt bereits an neuen Lösungen. Diese heißen dann „quantensicher“…

Problemtisch ist es, wenn wir erwarten, dass es 100% Sicherheit auf Dauer gibt. Dieser Erwartung kann nicht entsprochen werden und man muß sich ihr bewusst werden.

Ich hatte ein Erlebnis bei einer Türkeireise: Als wir mit dem Bus einen Stop machten (an einem der Plätze, wo alle Busse stoppen), da boten die Händler vor Ort frisch gepressten Orangensaft an. Sobald sie bemerkten, dass der Bus aus lauter Deutschen bestand, wechselten sie ihre Verkaufskommunikation sofort von „healthy fresh orange juice!“ zu „5 Jahre Garantie!“. Hier wurde ich mir einer typisch deutschen Erwatungshaltung bewusst.

 

Zu schlechter Letzt

Das MIT Review stellt jährlich die (ihrer Meinung nach) größten Technologiefehler des Jahres vor.

Auf die vier ersten Plätze haben es dieses Jahr geschafft:

  • Der Chinese, der ein Zwillingspärchen mit manipulierte Genen geschaffen hatte
  • Facebook mit der (Plattform-)Unterstützung der ethischen Säuberungen in Myanmar
  • Google mit den zensierten Suchalgorithmen für das chinesische Angebot
  • Das Startup, das das Hochladen des Gehirninhalts anbietet (was allerdings zwingend zum Gehirntod führt)

Details auf der Website (in englisch, aber der Übersetzer ist ja im Browser…)

Das MIT (Massachusetts Institute for Technology) ist eine renomierte Forschungseinrichtung und setzt sich richtigerweise mit den Folgen der eigenen Arbeiten auseinander. Es geht darum, nicht alles pauschal zu verteufeln, sondern auf dem Weg nach vorne zu reflektieren. So wird auch zugegeben, dass mit dem Startup (4. Spiegelstrich) eine Forschungskooperation bestand, die gekündigt wurde.

Ist die neue Technik eine Gefahr für die Wirtschaftsordnung und die Demokratie?

Die Debatte kommt immer wieder auf, zuletzt einmal bei den XING Nachrichten und heute natürlich beim derzeitigen Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs (CCC).

Von Seiten verschiedener Politiker kommen Forderungen auf, beispielsweise nach Datensteuern oder Kennzeichnungspflicht für Social Bots in den Sozialen Netzen.

Bei einigen dieser Vorschläge stellt sich die Frage, ob das überhaupt so durchsetzbar ist (Woran will man den Bot erkennen? oder Wie soll eine Besteurung meiner Daten denn genau erfolgen, und in welchem Land? Was ist mit den Gegenleistungen, die ich typischerweise für die Bereitstellung meiner Daten erhalte wie bspw. Navigationsdienste. Sind diese Dienste dann steuermindernd zu berücksichtigen?…)

Das wird ein schweres Stück Arbeit, hier die erforderlichen Regeln zu finden, zu beschließen und umzusetzen. Und das ganze wird nur interdisziplinär zu lösen sein. So plant der CCC anstelle eines reinen fachlichen Sicherheitprogramms seinen Congress mit 16.000 Hackerinnen, Künstler, Forscherinnen und Technikinteressierte.

Ja, die Gefahr ist gegeben, und die Arbeit ist angefangen. Aber die Demokratie war immer in Gefahr, insofern ist die Situation nicht völlig neu…

NDN, der Non-Digital-Native

 

Allgemein spricht man von den Digital-Natives („ins digitale Zeitalter Geborene“) als denjenigen, die die aktuelle Technologie von früher Kindheit an erlebt haben und diese selbstverständlich benutzen (und diese auch überall erwarten). Laut Wikipedia sind die Digital Natives alle diejenigen, die nach den frühen 80ern geboren wurden.

Die Mehrheit der Deutschen ist aber älter und und somit ein Non-Digital-Native (NDN), also nicht in das Digitale Zeitalter hineingeboren worden.

Die meisten von diesen haben noch bewusst die Zeiten erlebt, in denen Telefone ausschliesslich mit Festnetzanschlüssen funktionierten (Die erste Frage in einem Telefonat war sinnvollerweise nicht ‚Wo bist du gerade?‘), der Fernseher Schwarz-Weiß war oder zumindest nur drei Programme hatte und Kinder die Rolle der Fernbedienung übernahmen…

Innerhalb der NDNs gibt es Unterschiede. Als Digital Immigrant – also der Einwanderer ins Digitale – versucht man, sich in dieser Welt als ursprünglich Fremder bestmöglich zu integrieren. Es gibt einige, die ganz bewusst ins „Digitale“ einwandern wollen. Andere müssen es zwangsläufig, weil man sonst mit lieben Freunden und Angehörigen gar nicht mehr kommunizieren kann. Der Umgang mit dem Immigrantendasein ist aber häufig nur bedingt vom Alter abhängig, hier sind andere Aspekte regelmäßig viel wichtiger.

PS: Ich selbst bin NDN und der Blog dient ja auch ein wenig dazu, meine Einwanderung zu forcieren.

Vorhersage zur allgemeinen künstlichen Intelligenz

Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass 76% aller Berichte, die anfangen mit „Amerikanische Forscher haben …“, nicht zutreffen. Das ist natürlich besonders spannend, wenn man herausfinden will, wann den endlich künstliche Intelligenz (KI) so richtig verfügbar ist…

Um die Gefahr, sich zu verschätzen, möglichst niedrig zu halten, hat der Zukunftsforscher Martin Ford einmal die Branchengrößen der KI dazu befragt.

Die Frage war danach, wann man mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% damit rechnen kann, dass eine allgemeine KI existiert (also eine künstliche Intelligenz, die dem Menschen grundsätzlich und nicht nur in einigen Gebieten überlegen ist).

Die Antworten schwankten von 2029 bis 2200. Und das in USA, wo die Firmenlenker im algemeinen sehr visionär sind. Es bleibt also noch ein wenig Zeit.

Wer aber die Errungschaften der speziellen künstlichen Intelligenz bestaunen möchte: Es gibt einen Artikel über das neue Buch von Martin Ford, der in englischer Sprache erschienen ist. Mittlerweile haben alle gängigen Webbrowser aber einen automatischen Übersetzer verfügbar, mit dessen Hilfe man die Website, während man sie aufruft, übersetzen kann. Einfach mal ausprobieren bei diesem link.

Muss das denn sein? (22. Türchen)

Na das mit der neuen Technologie und so weiter?

Die Antwort ist relativ einfach und vielfach thematisiert:

Technologie lässt sich nicht aufhalten (- nur gestalten)

Wir können also den Fortschritt ignorieren und versuchen, ihn nicht weiter zu beachten, er wird sich aber den Weg bahnen. Und dann ist es besser ihn mit zu gestalten.

Das hat bereits Friedrich Dürrenmatt in seinen „Physikern“ beschrieben.

Bevor Ihr aber nun den Fortschritt mitgestaltet geht es erst einmal aus den Betten raus und es wird das zweiundzwanzigste Türchen geöffnet.

Hat die Arbeit noch Zukunft? (19. Türchen)

Robotik und Automation reduzieren den Bedarf an typischer Arbeitsleistung.

Auch wenn sich in diesem Zusammenhang neuer Arbeitsbedarf auftut kann man sich leicht vorstellen, dass uns die Arbeit (zumindest für einige von uns) ausgeht.

Die üblichen Bedrohungsszenarien sind hier schnell aufgezeigt (Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeit, totalitäres Regime, …). Aber interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Szenario, das Benedikt Herles zeichnet, der den geringeren Bedarf an Arbeitsleistung in klassischen Bereichen verbindet mit dem Bedarf an Arbeitskräften im Sozialen Bereich und der Disksussion um das Grundeinkommen. Sein Vorschlag ist ein bedingtes Grundeinkommen, das an Engagement im Sozialen gebunden ist. Sein Vorschlag geht auch auf die Finanzierungsansätze dazu ein. Mehr dazu in einem Gespräch mit ihm.

Einen weniger radikalen Ansatz verfolgt eine Beratungsgesellschaft in Bielefeld mit einer 25 Stundenwoche (bei vollem Gehalt). Hier geht es allerdings um maximale Effizienz in den 5 Stunden und das Vermeiden von Störungen.

Bevor Ihr aber nun an Eure Arbeit geht erstmal raus aus den Betten und das neunzehnte Türchen öffnen!

Zukunft der Arbeit VI (13. Türchen)

Digitalisierung ist Innovation

… und als solche kann sie nicht immer erfolgreich sein. Das heißt, es werden Projekte scheitern, da Innovation immer darin besteht, etwas Neues auszuprobieren. Für diejenigen, die in einem solchen Projekt arbeiten, ist das kein persönliches Scheitern und man darf es auch nicht als solches ansehen. Wenn man sich drauf einstellt, kann man auch gleich schauen, welches das nächste Projekt sein kann, in dem man sich engagieren möchte.

Man kann das passieren lassen, aber es ist befriedigender, wenn man sich selbst ein wenig mit um das nächste Projekt kümmert.

Und jetzt raus aus den Betten und das dreizehnte Türchen öffnen!