Bezugssysteme (21.Türchen)

Ein Bezugssystem ist wichtig. Wir setzen üblicherweise alles, was wir erfahren, in einen Bezug.

Und aus diesem Bezug heraus bewerten wir es. Wir sind gut in einem Thema, aber wir bekommen eine schlechte Kritik, das weckt uns auf. Wir sind es gewöhnt, dass der Nachbar uns grüßt, er macht es einmal nicht und wir überlegen, ob wir ihn verstört haben. (ich benutze bewusst das generalisierende Maskulinum, um mein Bezugssystem nicht zu verändern…)

Spannend wird es, wenn wir das Bezugssystem selbst verändern. Alexander Gerst ist gestern von der ISS zurückgekehrt und kann sich über „den Geruch der Erde“ freuen. (nach einem halben Jahr Astronautenkost und Schwerelosigkeit und …)

In dem Roman „Die Tyrannei des Schmetterlings“ wird die Theorie der Multiversen erwähnt, deren Kerninhalt ist, dass es unendlich viele Universen wie unseres gibt. Ein interessanter Gedanke, dass es unendlich viele solcher Welten gibt, und einige davon nahezu genauso ablaufen wie unsere, aber doch ein bisschen anders… Mich beruhigt es, es erlaubt, einige Dinge nicht ganz so wichtig zu nehmen.

Eine weitere wichtige tektonische Veränderung: Nach 10 Jahren trennen sich Florian Silbereisen und Helene Fischer. Ok, da brauche ich noch nicht mal die Theorie der Multiversen um mich zu beruhigen…

Aber jetzt ganz irdisch raus aus den Betten und das einundzwanzigste Türchen aufmachen, vielleicht verändert es ja Euer Bezugssystem…

Zukunft der Arbeit I (8. Türchen)

In die Zukunft zu schauen ist naturgemäß schwierig. Und es gibt ein paar tolle Beispiele für Fehlprognosen.

So hat der Chairman von IBM, Thomas Watson, im Jahr 1943 einen weltweiten Bedarf für ca 5 Computer gesehen. Ok, die damaligen Rechner hatten deutlich weniger Rechenleistung und Speicherkapazität als alles das, was wir heute in einer digitalen Armbanduhr finden. Aber dennoch war der Bedarf falsch eingeschätzt worden, wohl auch, weil der Formfaktor und die Einsatzgebiete nicht richtig eingeschätzt werden konnten. (Hier gibt es noch mehr dieser Fehleinschätzungen)

Wenn man nun bei den Schriftstellern nach Prognosen sucht, sollte man am ehesten von den Science Fiction Autoren etwas erwarten. Auch hierzu ein nettes Fundstück: In Stanislaw Lems Roman Eden von 1960 beschreibt er eine Rakete, in der die ganzen Dokumentationen und  Informationen dort zu finden sind, wo man sie damals auch erwartet hat: in der Bordbibliothek! Besonders dick nehmen sich die Sternenatlanten aus…

Und auch die Profis tun sich schwer: So hat der Zukunftsforscher Matthias Horx 2010 den Untergang von Facebook binnen weniger Jahre vorausgesagt.

Nun ist es immer leicht, im Nachhinein etwas besser zu wissen. Interessant in diesem Zusammenhang finde ich es, einmal rückblickend zu schauen, was sich verändert hat. So gibt es beispielsweise die folgenden Berufe (zumindest bei uns) nicht mehr:

  • Rattenfänger
  • Klageweib
  • Lachkonserve
  • Aufwecker
  • Abtrittanbieter
  • Enzyklopädien-Verkäufer

(Erläuterungen der Berufe im Bedarfsfall hier)

So hat sich der Rattenfänger zum Kammerjäger gewandelt und ist nicht mehr von der Stadt beauftragt, sondern wird von Firmen und Privatleuten beauftragt.

Das Klageweib hat einen kulturellen Ursprung und sich mit dem Kulturwandel überdauert.

Und die anderen Berufe haben sich aufgrund des technisch-organisatorischen

Wandels überdauert oder zumindest ganz stark verändert. (So ist der Enzyklopädien-Verkäufer vermutlich heute Callcenter Agent und bietet alles mögliche an…)

Nachdem nun Wochenende ist, bietet es sich an, vor diesem Hintergrund einmal zu überlegen, wie sich unsere Berufe verändern, bzw. überdauern. Aber erstmal raus aus den Betten und das achte Türchen aufmachen!

Güterabwägung I (5. Türchen)

Der Einsatz von moderner Technologie war (sinnvollerweise) schon immer umstritten und viel diskutiert. Der Abwurf der Atombombe und der Einsatz von Atomreaktoren ist eine Entscheidung von Menschen gewesen. Diese haben zuvor abwägen müssen, ob der Einsatz gerechtfertigt ist, also ob Risiken/Schäden und Ziele im angemessenen Verhältnis zueinander stehen (Güterabwägung). Dies wird auch in Zukunft so sein.

Moderne Technologien (insbesondere künstliche Intelligenz und Robotik) erfordern eine Erweiterung dieses Konzeptes.

Stellen wir uns ein selbstfahrendes Auto vor, dann kann ein solches Auto (zumindest seine Steuerung) aber auf einmal auch eine solche Güterabwägung machen müssen.

Ein solches Auto erkennt Gefahrensituationen . Ein entgegenkommendes Fahrzeug, das in die eigene Fahrspur hineinfährt, ist eine Gefahr. Wenn das Ausweichen aber nun bedeutet, einen gerade überholten Fahrradfahrer zu gefährden, wird einer der beiden naheliegenden Schadensfälle eintreten. (In diesem Gedankenexperiment gibt es keine dritte Möglichkeit!)

Jetzt muss das „Auto selbst“, also das Steuerungsprogramm, eine Güterabwägung vornehmen. Das ist die wesentliche neue Qualität der Güterabwägung, die der Einsatz neuer Technologien erfordert. Es bleiben die gleichen Fälle zu entscheiden, die Entscheidungen werden aber zukünftig auch von Maschinen vorgenommen. Es sind – erstmal – nur die Alltagssituationen, aber es sind technische Systeme denen wir eine Güterabwägung übertragen werden.

Der vermeintliche „Vorteil“ ist dabei, dass diese Güterabwägung vorab und ganz bewusst und explizit gemacht werden muss, da sie dem System vor Inbetriebnahme mitgeteilt (programmiert) werden muss.

So, aber jetzt erstmal raus aus den Betten und das 5. Türchen öffnen!

PS: Stiefel putzen und rausstellen nicht vergessen…

Nachtrag für Literaturinteressierte

Am obigen Thema wird deutlich, dass die Asimovschen Robotergesetze nicht ausreichend sind:

  1. Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen, außer er verstieße damit gegen das nullte Gesetz.
  2. Ein Roboter muss den Befehlen der Menschen gehorchen – es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum nullten oder ersten Gesetz.
  3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange sein Handeln nicht dem nullten, ersten oder zweiten Gesetz widerspricht.

Gut, sie stammen aus der Veröffentlichung Ich, der Robot von Isaac Asimov, 1950. Damals war es zunächst einmal Science Fiction und es stellte den Stand der (vorstellbaren) Technik dar.

Lesestoff (4. Türchen)

Nachdem das Wetter ja jetzt wirklich wieder zum jahreszeitlich üblichen Niveau gefunden hat, lässt sich gut etwas Lesen.

Hier eine kleine Auswahl an Büchern, die moderne Technologie in Romanform näher bringen. Ein bisschen Technologieverständnis macht das zwar einfacher, aber das meiste ist auch so ganz verständlich geschrieben (und man muß auch nicht immer alles verstanden haben um der Handlung zu folgen).

Dan Brown hat ja immer kultur-historisch interessante Handlungsorte und mit Origin geht es nach Spanien und in die Welt der künstlichen Intelligenz.

Sein Inferno ist nicht ganz so modern was die Technologie betrifft aber hier kommen die Transhumanisten als eine Art philosophische Fundierung dazu.

Marc Elsberg hat mit den drei Büchern Black Out, Helix und Zero jeweils eines der Themen Energieversorgung, Biotechnologie und Big Data / künstliche Intelligenz ganz gut beschrieben. Die technischen Grundlagen sind gut recherchiert und das meiste kann heute auch technisch / wissenschaftlich so umgesetzt werden. Insofern liefern diese Romane recht gute Anhalte dafür, in welchen Bereichen wir uns als Gesellschaft Spielregeln geben müssen, die dann auch erfolgreich etabliert werden müssen.

Mein persönlicher Favorit ist Frank Schätzings Tyrannei des Schmetterlings, weil in dem Roman in einem Zukunftsszenario einfach alle Technologien zusammenkommen (Biotechnologie, KI, Arbeitsweise der großen IT Unternehmen) und sich hier zum erstenmal jemand bemüht hat, Quantentechnik als Handlungsstrang in einem Roman darzustellen. Das Ergebnis ist ein langer, recht utopischer Roman, der aber anhand von Alltagssituationen ganz gut zeigt, wie sich die neuen Technologien im Kleinen (Beziehungen) und auch im Großen (Kriegsführung) auf lange Sicht auswirken können. Die zu Grunde gelegten wissenschaftlichen Theorien sind allesamt real existent, einige aber noch nicht bewiesen…

Das sollte bis Weihnachten reichen, und was dann noch originalverpackt ist kann ja auch verschenkt werden. Aber bevor jetzt bestellt oder gekauft wird, erstmal raus aus den Betten und macht das vierte Türchen auf!