… und ganz schwer nachvollziehbare Algorithmen

Es gibt – wie kürzlich beschrieben – Algorithmen, die schwerer nachvollziehbar sind als andere. Eine Art Königsdisziplin in dieser Hinsicht stellen evolutionäre Algorithmen dar. Bei diesen wird nicht beschrieben, wie genau ein (Teil-) Problem gelöst wird, sondern es wird nur definiert, wie vorhandene Problemlösungsalgorithmen kombiniert und modfiziert werden (änlich wie bei der biologischen Fortpflanzung ja auch die Erbmasse kombiniert und modifiziert wird). Das Ergebnis ist dann eine Überraschiung, dahingehend, das auch die Ersteller nicht vorhersagen können, zu welchen Ergebnissen die Algorithmen im Zuge der verschiedenen Generationen kommen.

Das hört sich erstmal komplex an, ist aber ganz gut beschrieben in einem Roman von William Hertling: SINGULARITY (2): A.I. APOCALYPSE.

 

Der Zauberspiegel

Mirror ist das dritte Buch von Karl Olsberg, das ich gelesen habe (besser: mir von dem Hörbuchdienst einer „Datenkrake“ habe vorlesen lassen).

Der Autor baut immer gerne ein paar Elemente aus seinem Wohnumfeld (Hamburg) ein. Aber nicht nur die deutschen Schauplätze sondern auch seine hauptberufliche Auseinandersetzung mit der Wirtschaft und seine Promotion in einem KI Thema führen dazu, dass die beschriebenen Szenarien auch aus technischer und wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar sind.

Besonders gefallen mir diese Aspekte:

  • Das Eindringen der Technik in das tägliche Leben der Menschen, dieses wird über eine Art persönlicher digitaler Assistent („Mirror“) erreicht.
  • Die „Intelligenz“ entsteht aus der Kombination der Einzelerkenntnisse.
  • Das Verhältnis der Segnungen und der Gefahren einer Technologie.
  • Die Nutzung der Technologie aus unterschiedlichen menschlichen Situationen (Konzernführung, Endnutzer mit unterschiedlichem Grad an krimineller Energie, Nutzung durch Behinderte, Sicht der Behörden …)
  • Die Optimierungsfunktion; also die übergeordnete Aufgabenstellung, die einem selbstlernenden System mitgegeben wird (werden muß).

Eine klare Lese- / Hörempfehlung für Interessierte.

Training für die Künstliche Intelligenz…

zeigt gewisse parallelen zur Kindererziehung.

Bei Schätzings Tyrannei des Schmetterlings wird ganz gut beschrieben, wie der Prozess aussehen sollte (inkusive Teddybär) , und auch in Dan Browns Origin gibt es ein paar Hinweise darauf.

Auch in der realen Forschungswelt sehen wir nun diese Vorgehensweise.

So hat das autodidaktische Brettspielprogramm AlphaZero von DeepMind „sich selbst das Schachspielen beigebracht“ und war innerhalb von neun Stunden in der Lage, lediglich aus den Basisregeln und mithilfe von Millionen Trainingspartien (gegen sich selbst) eines der führenden freien Programme (namen „Stockfish 8“) zu schlagen. Bemerkenswert ist noch, dass Stockfish mit einer 1000-fach höheren Rechenleistung in der Partie gearbeitet hat als Alpha Zero. Desweiteren ist AlphaZero generisch für Brettspiele ausgelegt und kann das Muster nutzen, um auch andere Brettspiele zu erlernen, was bei konventionellen Schachprogrammen nicht der Fall ist.

Somit ein Schritt in Richtung einer generischen Intelligenz, wie man sie Kindern gerne beibringen möchte.

Zukunft der Arbeit I (8. Türchen)

In die Zukunft zu schauen ist naturgemäß schwierig. Und es gibt ein paar tolle Beispiele für Fehlprognosen.

So hat der Chairman von IBM, Thomas Watson, im Jahr 1943 einen weltweiten Bedarf für ca 5 Computer gesehen. Ok, die damaligen Rechner hatten deutlich weniger Rechenleistung und Speicherkapazität als alles das, was wir heute in einer digitalen Armbanduhr finden. Aber dennoch war der Bedarf falsch eingeschätzt worden, wohl auch, weil der Formfaktor und die Einsatzgebiete nicht richtig eingeschätzt werden konnten. (Hier gibt es noch mehr dieser Fehleinschätzungen)

Wenn man nun bei den Schriftstellern nach Prognosen sucht, sollte man am ehesten von den Science Fiction Autoren etwas erwarten. Auch hierzu ein nettes Fundstück: In Stanislaw Lems Roman Eden von 1960 beschreibt er eine Rakete, in der die ganzen Dokumentationen und  Informationen dort zu finden sind, wo man sie damals auch erwartet hat: in der Bordbibliothek! Besonders dick nehmen sich die Sternenatlanten aus…

Und auch die Profis tun sich schwer: So hat der Zukunftsforscher Matthias Horx 2010 den Untergang von Facebook binnen weniger Jahre vorausgesagt.

Nun ist es immer leicht, im Nachhinein etwas besser zu wissen. Interessant in diesem Zusammenhang finde ich es, einmal rückblickend zu schauen, was sich verändert hat. So gibt es beispielsweise die folgenden Berufe (zumindest bei uns) nicht mehr:

  • Rattenfänger
  • Klageweib
  • Lachkonserve
  • Aufwecker
  • Abtrittanbieter
  • Enzyklopädien-Verkäufer

(Erläuterungen der Berufe im Bedarfsfall hier)

So hat sich der Rattenfänger zum Kammerjäger gewandelt und ist nicht mehr von der Stadt beauftragt, sondern wird von Firmen und Privatleuten beauftragt.

Das Klageweib hat einen kulturellen Ursprung und sich mit dem Kulturwandel überdauert.

Und die anderen Berufe haben sich aufgrund des technisch-organisatorischen

Wandels überdauert oder zumindest ganz stark verändert. (So ist der Enzyklopädien-Verkäufer vermutlich heute Callcenter Agent und bietet alles mögliche an…)

Nachdem nun Wochenende ist, bietet es sich an, vor diesem Hintergrund einmal zu überlegen, wie sich unsere Berufe verändern, bzw. überdauern. Aber erstmal raus aus den Betten und das achte Türchen aufmachen!