Im ersten Beitrag zur Güterabwägung war die Lösung am Ende relativ einfach: Die Maschinen müssen Güterabwägungen vornehmen, und sie müssen dementsprechend programmiert werden. Aber wie genau muß hier programmiert werden? (Beim Programmieren muß alles immer ganz genau zu Ende gedacht werden. Das ist mir regelmäßig lästig!!)
Wie wird entschieden, ob ich den einen oder den anderen Verkehrsteilnehmer gefährde?
In einem Gedankenexperiment hat man versucht, die generellen Kriterien für solche Güterabwägungen zu ermitteln (das sog. Trolleyproblem: Man muß sich zwischen zwei Übeln entscheiden.)
Es hat sich gezeigt, dass in verschiedenen Kulturen auch verschiedene Massstäbe gebildet haben. So haben bspw. asiatische Kulturen mehr Respekt vor dem Alter und würden somit eher ältere Menschen zugunsten jüngerer schützen. In westlichen Kulturen ist das tendenziell umgekehrt. Und jetzt wird es spannend: Umfasst die Zulassung eines KFZ in einem Land dann zukünftig auch lokale Kriterien für die Güterabwägung? Haben Asiaten, die in westlichen Ländern Autos fahren, ein Anrecht auf eine Fahrzeugsteuerung, die nach asiatischen Massstäben Güterabwägung betreibt? …
Das war ein erster, sehr plakativer Aspekt. Man kann das sehr viel differenzierter betrachten und Interessierte finden in der kulturvergleichenden Sozialforschung jede Menge Lesestoff, insbesondere bei Hofstede.
Heute ist Nikolaus, da werden traditionell Stiefel über Nacht befüllt – zumindest hier in unserer christlich geprägten, westlichen Kultur. Also dann: Raus aus den Betten, die Stiefel leeren und das sechste Türchen öffnen.
Nachtrag für Filminteressierte:
Axel Prahl (also der, der im „wirklichen“ Leben Kommissar in Münster ist und fast immer Sankt Pauli T-Shirts trägt) spielt im Kurzfilm Sommersonntag eine tragische Rolle in der er das Leben seines Sohnes abwägen muß gegen die Leben der Insassen eines ganzen Zuges.
